Freitag, 29. Mai 2015

Was hast du heute gut gemacht?

Heute ich ein Gespräch mit einer wunderbaren jungen Frau, die zu mir in die Praxis kam, um etwas für mehr Selbstsicherheit zu tun. Sie hat ein sehr gutes Studium absolviert, arbeitet - teilweise -erfolgreich in einer Werbeagentur und alles, was sie am Schreibtisch erarbeiten kann, klappt super. Aber sobald sie in Kontakt mit Menschen kommt, wird sie zunehmend unsicher, je exponierter sie steht, desto schwieriger für sie. Ihre Meinung zu vertreten oder Kritik einzustecken bringt sie aus der Bahn, Konflikte sind äußerst bedrohlich und präsentieren war nur unter anstrengendsten Bedingungen möglich. Schlaflose Nächte vorher, zitternde Knie, wackelige Stimme, Hektikflecken....leider nicht entweder oder, sondern alles zusammen.

In unserem Gespräch erzählte sie mir ausschließlich Beispiele, was nicht klappt, ihre Erfolgserlebnisse musste ich ihr quasi aus der Nase ziehen - ihr Blick war rein auf das gerichtet, was sie nicht gut oder vermeintlich gar nicht kann.

Das schwächt natürlich doppelt: erstens verunsichert es stark, wenn ich nur meine Defizite sehe und zweitens wirkt es wie eine selbsterfüllende Prophezeiung...wenn ich weiß, dass ich es nicht kann, gehe ich genau mit dem Gefühl an meine Aufgaben heran und dass die dann nicht gut werden können, ist wohl klar.

Ich habe dann nur noch nach Erfolgsgeschichten gefragt, nach Stärken, Kompetenzen, Dingen, die ihr aufgrund dessen, was sie kann, gelungen sind. Das wird sie natürlich nicht zu einer Präsentationskönigin machen, aber es stärkt ihr Selbst-Bewußtsein im wahrsten Sinne des Wortes. Und aus einem gestärktem Selbstbewusstsein kann Selbstsicherheit entstehen und irgendwann eine gewisse Gelassenheit. 


Deshalb achte stets darauf, was du gut machst und sei dessen bewusst...das ist die Basis für alles!

Donnerstag, 28. Mai 2015

Be- statt verurteilen...

Es gibt Menschen, die verurteilen gern. "Schau dir mal an, wie der isst, keine Manieren, ein echter Proll!"
So oder ähnlich bewerten sie alles nach richtig oder falsch, erwünscht oder unerwünscht, gut oder schlecht. Das ist autoritär, denn sie maßen sich in dem Augenblick an, zu wissen, wie bzw. ob etwas richtig ist. Woher nehmen sie das, wieso dürfen sie das? Gar nicht.

Ich darf beurteilen, kann sagen, wie es ich finde, wenn zum Beispiel jemand anders isst als ich es gelernt habe: "Mir gefällt nicht, dass er so laut schmatzt!" - damit äußere ich dann meine Meinung, richte aber nicht über ihn und stelle nicht meine Meinung als Maßstab dar. Ich beobachte nur sein Verhalten, mache ihn jedoch nicht als Mensch nieder, was per se viel wertschätzender ist, als von vermeintlich schlechtem Verhalten auf einen schlechten Charakter zu schließen.

Häufig läuten wir die Verurteilung mit einem "also..." ein:

"Er spricht sehr langsam...also muss er beschränkt sein!"

Dem "Also..." folgt oft eine verurteilende, unangebrachte Schlussfolgerung  - beobachte Dich mal, was bei dir ausgesprochen oder auch nur in Gedanken auf "also..." folgt - und lass den Teil einfach weg.

Das tut Dir gut und Deinen Mitmenschen auch.





Mittwoch, 27. Mai 2015

Immer positiv Denken nervt....

Gestern traf ich Alex. Alex ist ein wahres Optimismus-Wunder - alles ist schön, alles ist toll, alles wird gut.
Erstmal super, aber als wir dann über seinen Job sprachen und er die Glocken der Veränderung einfach nicht läuten hören wollte, "nein, alles super, warte mal ab, du übertreibst" - da merkte ich, machte sich Unbehagen bei mir breit.
Mit seiner Frau läuft es auch nicht gut, ein großer weißer Elefant namens "wer macht eigentlich was hier?" steht im Raum - angespannte Stimmung, Schweigen, viel fernsehen und überspielende, oberflächliche Gespräche  - und Alex sagt, "das wird sich schön fügen, wir wissen, dass wir zusammen gehören, man muss nicht alles ansprechen, man kann Dinge auch zerreden!"

Klar, man sollte nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen - aber wenn der Elefant da ist, sollte man auch nicht so tun, als wenn er eine Mücke wäre. Und ich habe mal irgendwann gelernt, dass sich kein Problem von selbst löst, wenn man nur lange genug abwartet....im Gegenteil, meistens wird es größer und größer...elefantös quasi.

Ich habe Alex darauf angesprochen, dass sein erzwungener Optimismus nervt und auch nicht wirklich förderlich ist, weil er an der Realität vorbeigeht. Alles wird gut, alles ist schön - wie kann ich mich ernsthaft mit jemand unterhalten, der sich nicht auch den unangenehmen Teilen der Realität stellt? Ich kann Alex nicht sagen, dass ich traurig oder wütend bin, denn solche vermeintlich negativen Gefühle haben in seinem Leben keinen Platz. Im Gegenteil, er versucht mir noch das Gefühl zu geben, selbst schuld zu sein, weil ich mich von solch unerquicklichen Gefühlsregungen erwischen lasse. "Hey, du musst das locker sehen, denk an was Schönes!"
Anstrengend.

So kann ich gar nicht mit ihm sprechen, denn er will einen Teil von mir, den er belastend findet, weil er anstrengend, konfliktär oder was auch immer ist, nicht hören. Damit bewegen wir uns aber auf Small Talk-Niveau, denn mit ehrlichem, tiefem Austausch hat das nichts zu tun. Allein das fand Alex schon unangenehm zu hören, "Ach komm, wir wollen es doch nett haben....." Aber: Small Talk hat wohl gepiekst, denn es gibt eine gute Nachricht: er hat dann tatsächlich erzählt, dass er sich unwohl fühlt im Job, weil er so gar nicht wüsste, was kommt.....!

Und wir haben uns das erste Mal seit langem richtig gut unterhalten, ernsthaft und dann auch wieder sehr lustig - große Freude!