Sonntag, 7. Mai 2017

Paartherapie IV: (Wie) Kommen sie zueinander?

Eric und Linda saßen vor mir. Ein junges Paar Ende zwanzig, gerade mal ein halbes Jahr zusammen. Er war verschlossen, Linda hatte den Termin angeregt, nur widerwillig war er mitgekommen.

Auf meine Frage, was wir denn besprechen wollen, erzählte mir Linda: "Wir sind seit einem halben Jahr zusammen und immer wieder hat Eric andere Frauen. Das letzte Mal habe ich es letzte Woche mitbekommen, ich möchte, dass wir hier eine Vereinbarung treffen, dass das nicht wieder passiert."


Eine junge Beziehung, knapp 6 Monate, normalerweise noch in der Verschmelzungsphase, in der das WIR das Denken und Tun bestimmt. Verliebtheitsgefühle und die Sehnsucht nach Nähe herrschen vor. "Hauptsache zusammen" ist hier die Grundhaltung. Man sagt, dass ca. nach einem halben bis dreiviertel Jahr diese Phase endet und die 2 Partner dann in eine Abgrenzungsphase eintreten. Unterschiedlichkeiten treten zutage und Schwächen werden sichtbar. Die beiden bis dato Verschmolzenen rücken voneinander ab und widmen sich wieder mehr ihrem eigenen Alltag, erste Ernüchterung tritt auf. Häufig folgt dieser Ernüchterung die Reifephase, das Paar bespricht seine Unterschiedlichkeit und einigt sich auf einen modus vivendi, mit dem sich beide wohlfühlen. Wenn es in der Reifephase nicht gelingt, die unterschiedlichen Haltungen beider Partner zu besprechen, werden Machtkämpfe ausgetragen: Über Rückzug, Misstrauen und Schuldzuweisungen wird versucht, den anderen in die gewünschte Richtung zu verändern. Hier entscheidet sich, ob das Paar den Turnaround schafft und eine reife, miteinander abgestimmte Beziehung führen kann oder ob die Beziehung scheitert. 

In welcher Phase standen Eric und Linda? Verschmolzen waren sie offensichtlich nicht mehr, reif hörte sich die Beziehung allerdings auch noch nicht an.
Auf meine Frage, ob sie eine offene Beziehung vereinbart hätten, bekam ich unterschiedliche Antworten. Linda sagte, dass sie Eric´s Wunsch nach mehr Offenheit verneint hätte, Eric sagte, dass sie das noch nicht geklärt hätten und er deshalb gar nicht wüsste, warum sie sich so aufregt.

2 unterschiedliche Positionen, die nicht besprochen worden sind.
Wir haben das Thema offene Beziehung besprochen, Eric wollte eine offene Beziehung, was Linda für sich total verneinte. Wie zu erwarten, es gab hier kein Happy End, denn ihre Positionen waren letztendlich unvereinbar.

Oder vielleicht doch ein Happy End?.... denn nun war für beide der Weg in ein eigenes Leben nach eigenem Gusto frei. 

Freitag, 28. April 2017

Paartherapie III: Eine Liebesgeschichte.

Jens und Sylvia, beide Mitte 40, kamen vor einem Jahr zu mir und um es nett zu sagen, sie kamen damals nicht als Paar, sondern als 2 Personen, die sich, na, ich nenne es mal so: nicht mochten. Dabei waren sie schon seit 25 Jahren zusammen, kinderlos.

Damals rückten sie die Sessel erstmal auseinander und drehten sie beide so, dass sie sich nicht anschauen mussten.

"Er ist so spießig, ich kann es kaum aushalten, ein Pedant vor dem Herren!" brach es direkt aus ihr heraus, er konterte sofort, was für eine verantwortungslose Chaotin sie doch sei....ok, die Fronten waren schnell klar.

Wir haben im Laufe des vergangenen Jahres viel an dieser Gegensätzlichkeit gearbeitet, er war ein sehr strukturierter, auf Formalitäten und Planungen Wert legender Mann, während ihr die Freiheit, Dinge spontan zu entscheiden und auch einmal umzuwerfen, sehr wichtig waren. Was beide zu Beginn ihrer Beziehung am anderen als sehr wertvoll angesehen hatten, war nun genau ins Gegenteil umgekehrt.


Häufig verlieben sich Paare in ihr Gegenteil, sprich Typen, die sehr gegensätzlich sind, finden beim jeweils anderen genau das, was sie selbst nicht haben. Der sehr nahe, bezogene Mensch sucht eher einen kühlen, rationalen Typen, weil er dort eine Rationalität und Stärke findet, die ihm selbst fehlt. Der Kühle findet in dem sehr gefühlorientierten Gegenüber eine Wärme, die er selbst nicht hat.
Menschen die sehr strukturiert sind, verlieben sich häufig in Menschen, die sehr spontan und unabhängig sind, bekommen sie doch dort die Lebendigkeit, die ihnen sonst fehlt. Umgekehrt bekommt der Spontane bei dem Strukturierten Halt und Sicherheit, quasi den ruhigen Pol in seinem Leben. Man sagt, erst verlieben wir uns in die Andersartigkeit unseres Gegenübers, nach 5 Jahren jedoch streiten wir genau deshalb. Dann stört zum Beispiel auf einmal die Bezogenheit, wird als Anhänglichkeit und Belastung wahrgenommen, der Spontane empfindet den Strukturierten als zu engstirnig und nennt ihn gern mal Bremse oder Spießer. Was also zu Beginn als Bereicherung empfunden wird, entwickelt sich zu einer echten persönlichen Belastung.


Jens und Sylvia hatten jede Menge Streitpunkte, in denen sie sich bekämpften und die Haltung des Anderen als unakzeptierbar bezeichneten. In vielen Sitzungen erarbeiteten die beiden sich, wieder Respekt für den Partner in seiner Andersartigkeit zu empfinden und diese nicht als Bedrohung der eigenen Position zu sehen.

Du darfst so sein, ich darf anders sein, und beides ist ok. Wir dürfen den Anderen so lassen und besprechen, wie wir in unserem Alltag ob dieser Unterschiedlichkeit einen gesunden Kompromiss im Umgang mit den Dingen finden. 

Nach 11 Monaten harter Arbeit hatten wir genau dieses Ziel erreicht. Die letzte Stunde nahte und ich wollte das Thema Sexualität ansprechen, denn über all diese Auseinandersetzungen war das Thema auf der Strecke geblieben, sie waren schon lange nicht mehr intim miteinander gewesen.


Heute war also diese letzte Stunde, mein Thema für diese Sitzung war klar..... es klingelte, ich öffnete die Tür und vor mir standen 2 strahlende, verliebte, händchenhaltende Menschen.
Dieses Strahlen aufgreifend eröffnete ich die Stunde mit den Worten: " Es ist schön, Sie so strahlend verliebt zu sehen....wollen wir heute über das Thema Sex sprechen?" Sie lachten und erklärten mir, dass sie gerade aus Rom zurückseien und ein wunderschönes Wochenende hinter sich hätten....das Thema war kein Thema mehr.

Ok, Planänderung, noch einmal reflektieren, was wir alles erarbeitet haben und dann blieb mir, sehr dankbar, dass ich die Beiden bei diesem Prozess begleiten durfte, nur noch eins: Alles Gute!


Nicht immer enden Paartherapien so, aber wenn es dann so gelingt, ist die Freude bei allen Beteiligten groß, auch bei mir als Therapeutin.



Donnerstag, 27. April 2017

Geschichten aus der Paartherapie II: Beutekinder

Peter und Sandra waren erst ein knappes Jahr zusammen, als sie die erste Stunde bei mir buchten. Peter hatte sich eine Paartherapie gewünscht, weil er nach einer gescheiterten langjährigen Beziehung dieses Mal von vorn herein Warnsignale ernst nehmen wollte, um nicht wieder irgendwann durch unnötige Missverständnisse vor den Trümmern einer Beziehung zu stehen.
Die Beiden verstanden sich im Grunde gut, waren gerade zusammen gezogen und glücklich in ihrer Zweisamkeit. Lediglich über einen Punkt gerieten sie immer wieder in Streit:

Peter hatte aus einer mittlerweile geschiedenen Ehe 2 Kinder, 14 und 17 Jahre alt. Während die 17 jährige Tochter die Trennung der Eltern und die neue Frau an der Seite ihres Vaters akzeptiert hatte, weigerte sich der 14jährige Sohn Elias strikt, Sandra kennenzulernen geschweige überhaupt anzuerkennen, dass sie da war. Er verweigerte jeden Kontakt zu ihr und bestand darauf, dass Sandra das Haus verließ, wenn er zu Besuch kam. Peter hatte diverse Male versucht, die Beiden zusammenzubringen, aber als Elias androhte, den Kontakt zum Vater abzubrechen, beschloss Peter, die Forderungen seines Sohnes anzuerkennen und ihn ohne Sandra zu treffen. Da er mit seiner Exfrau kein gutes Verhältnis hatte, war ein Treffen dort nicht möglich. So bat er Sandra, bei anstehenden Treffen mit Elias zu gehen und ihm ein Treffen im neuen Zuhause zu ermöglichen.

Sandra weigerte sich und erwartete von Peter Loyalität. "Wenn du wirklich zu mir stehen würdest, dann würdest du diese Spielchen nicht mitspielen. Er ist alt genug um zu verstehen, dass Paare sich trennen, und wenn er das nicht akzeptieren will, dann muss er das eben spüren. Du musst ihm zeigen, dass du mich liebst und dass es Dich nur mit mir gibt!"

Peter fühlte sich überfordert. Natürlich liebte er Sandra, aber seinen Sohn wollte er nicht verlieren. Immer wieder gerieten sie darüber in Streit, besonders heftig an Feiertagen, wenn sie an den Kindestreffen teilnehmen wollte, weil sie in ihren Augen nun eine neue Familie bildeten und sie solche Feste gemeinsam begehen wollte.

In unserer Stunde dauerte es nicht lange bis die Wut aus ihr herausbrach und sie Peter mit Vorwürfen überschüttete. "Du stehst nicht zu mir, Du lässt zu, dass Elias sich zwischen uns stellt!" Peter bat um Zeit für Elias, er werde sich schon arrangieren, nur könne er es eben jetzt noch nicht. Er übernahm Partei für seinen Sohn und versuchte immer wieder Sandra dessen Verhalten zu erklären.

Ohne Zweifel eine schwierige und für die Beziehung belastende Situation. Sandra fühlte sich offensichtlich nicht zugehörig, - und in der Vater-Sohn hatte sie damit auch Recht.

Aber: Das bedeutet nicht, dass Peter seinen Sohn zwingen kann, Sandra zu akzeptieren. Und es kann nicht bedeuten, dass Peter sich von seinem Sohn lossagt.

Bei einer Trennung der Eltern bricht für Kinder oft die Basis ihres bisherigen Lebens weg. Sie verstehen nicht, dass die Eltern sich trennen, lieben beide und möchten beide zusammen erleben. Wenn dann noch ein neuer Partner erscheint, kann ihr System ganz aus den Fugen geraten. Oft wird dann der neue Partner zum Sündenbock für die Trennung stilisiert. Hier gilt es, behutsam mit der verletzten Seele des Kindes umzugehen. Behutsamkeit heißt, Zeit zu geben, als Elternteil präsent zu sein und so gut wie möglich aufzuzeigen, dass das Paarsein ein Ende hat, aber man als Vater oder Mutter weiterhin für sein Kind da ist. Das Kind ist verletzt und braucht Zeit, um zu erkennen, dass die Eltern sich, aber nicht es verlassen haben. Ein Kind braucht Zeit, um Vertrauen in die neue Situation aufzubauen.

Scheinbar ist Elias´ Schmerz sehr groß, zu groß, um sich schon auf eine neue Frau an Vater´s Seite einzulassen. Sandra interpretiert Peter´s Eingehen auf seinen Sohn als Illoyalität ihr gegenüber, sie ist in diesem Fall mehr bei ihren eigenen Bedürfnissen, als den Schmerz des Kindes anzuerkennen.
Wenn Sandra eine Zukunft mit Peter möchte, muss sie begreifen, dass Vater und Sohn noch zu sehr mit ihrer eigenen, verletzten Beziehung beschäftigt sind, als jetzt schon zu  - einer neuen - Normalität übergehen zu können.

Die gute Nachricht: Es hat mit Sandras Liebesbeziehung zu Peter nichts zu tun. Er liebt sie und möchte trotz Elias´ Ablehnung diese Beziehung mit ihr führen. Aber anstatt um Verständnis für Elias zu werben, sollte er ihr zeigen, dass er ihren Schmerz versteht. Jedes Mal, wenn er Sandra erklärt, wie Elias denkt und fühlt, bestärkt er Sandra in ihrem Gefühl, nicht dazuzugehören. Ein Satz wie "Ich kann mir vorstellen, dass das schlimm für Dich ist" wird ihr das Gefühl geben, dass er auch in dieser schwierigen Situation an ihrer Seite steht. Erst dann wird sie aufhören können "Elias oder ich" zu fordern und den Konflikt dort einordnen, wo er hingehört: zu Peter und seinem Sohn.












Samstag, 22. April 2017

Geschichten aus der Paartherapie I: Der Seitensprung

Die nächsten Posts werden von der Liebe handeln....passend zum Frühjahr und der Hoffnung, die Liebe lebendig zu halten, werde ich von  - natürlich verfremdeten - Beispielen aus meiner Praxis erzählen. Vielleicht bekommt der/die eine oder andere ja einen Anstoß, Dinge in der eigenen Beziehung anders zu sehen....und zu machen.

In dieser Woche durfte ich mit einem Paar arbeiten, dass einen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Sie sind seit 20 Jahren verheiratet, haben 2 Kinder und ihren Alltag gut arrangiert. Und genau da beginnt auch schon das Problem: Sie funktionieren wunderbar miteinander, als Mama und Papa, als Freund und Freundin, als Team, das den Alltag wuppt - leider nur nicht mehr als Mann und Frau. Beide vermissten die Nähe und Intimität. Aber beide hatten in der Vergangenheit leider nicht geschafft, ihre Bedürfnisse zu äußern, sondern sie in Vorwürfen wie

"Du hast Augen und Ohren für alle anderen, nur nicht für mich!"

oder

"Dir kann man ja auch nichts recht machen...!"

versteckt.

Daraus war natürlich keine Nähe entstanden, sondern ein Machtspiel. Mit WIR hatte das nichts mehr zu tun, hier waren zwei ICH´s, die für ihre Sehnsüchte kämpften. Beide fühlten sich vernachlässigt, vom Partner nicht gesehen, und anstatt zu sagen
"Du fehlst mir, ich fühle mich allein" versteckten sie ihre Einsamkeit in Vorwürfen.

Das ging bereits eine ganze Zeit so. Auslöser für die Paartherapie war, dass die Frau eine Affaire mit einem Arbeitskollegen begonnen hatte und diese nicht aufgeben wollte, weil sie dort endlich die Aufmerksamkeit bekam, die ihr so dringend fehlte.

Er wollte wieder zu zweit sein, sie schauen, ob und mit wem sie zu zweit sein wollte.

So saßen die beiden also tieftraurig vor mir, einsamer als je zuvor und ohne Idee, ob und wie es weitergehen könnte.

"Wenn du mich besser verstehen würdest, wäre das alles gar nicht passiert...."

und

"Du hast gar kein Recht mir Vorwürfe zu machen, du hast mich betrogen und bist schuld an der ganzen Misere....."

So flogen die Anschuldigungen direkt zu Beginn der Stunde hin und her.

Ich unterbrach die Beiden:

Wenn ein Partner eine Außenbeziehungen beginnt, hat immer auch der andere Partner etwas damit zu tun. Man sagt, es gibt einen unausgesprochenen Vertrag zwischen zwei Partnern, dass ein Dritter dazukommen kann.....Aus der Zweierbeziehung wird dann eine Dreiecksbeziehung zu der Frau, Mann und Geliebter bzw. Geliebte gehören. Und entweder wird dieser Status eingefroren und das Paar lebt - oft unbewusst - zu dritt, oder die Situation explodiert. Die Explosion kann das Ende bedeuten oder einen Anfang. Von daher kann diese "Störung" von außen auch  - trotz aller Verletztheit und Kränkung - eine qualitative Verbesserung für die Beziehung bedeuten - wenn das Paar bereit ist, sich mit sich und seiner Paarentwicklung auseinanderzusetzen.  

Huh....Das wollte der "Betrogene" natürlich gar nicht hören, zu logisch war es für ihn, dass seine Frau mit ihrem "Fremdgehen" die Schuldige sei. Nicht er hatte sich etwas zuschulden kommen lassen, sondern ganz klar sie.
Es war schwierig die Beiden aus dem vorwurfsvollen "Du, du, du" herauszubekommen, aber irgendwann schafften sie es, über ihre eigenen Bedürfnisse in der Ich-Form zu sprechen.

"Ich fühle mich so allein, überhaupt nicht wichtig, ob ich mich schön anziehe, ob ich etwas sage oder nicht, alles scheint Dir egal zu sein. Solange ich funktioniere und den Laden am Laufen halte ist alles gut, wenn etwas nicht läuft, dann wird das kritisiert. Ich fühle mich überhaupt nicht gesehen in all dem, was ich tue." Es brach aus ihr heraus, sie begann zu weinen und auf die Frage, welche Gefühle dieses Nicht-gesehen-werden in ihr auslösten, antwortete sie "Einsam, ungeliebt, wertlos".

Durch ihre Offenheit begann auch er zu sprechen und erzählte, dass er das Gefühl habe, nichts richtig zu machen....er habe sich daraufhin immer mehr zurückgezogen, artig mitgemacht, eher reagiert als agiert. "Ich habe das Gefühl, dass ich es nur falsch machen kann, und bevor ich was Falsches sage oder tue, mache oder sage ich lieber gar nichts, um nicht wieder Vorwürfe zu ernten."

Es wurde klar, dass beide einsam sind und verzweifelt versuchten, sich aus dieser Einsamkeit zu befreien. Sie hatten zwar ihre Codes gesandt, die Botschaft aber war nicht angekommen:

Code:                                                                             Botschaft:
Du hast nur deinen Job im Kopf!                                  Ich würde gern mehr Zeit mit Dir verbringen.


Du hast nur Augen und Ohren für andere.                    Ich möchte Dir nahe sein.


Als die beiden begannen, ehrlich zu sagen, was sie fühlen und was ihnen fehlt, da wurde klar, dass sie sich den Schmerz gegenseitig gar nicht antun wollten. Sie hatten nur einfach keine andere Form gefunden, ihre Bedürfnisse zu äußern.

Vorwürfe machen war sicheres Terrain, wenn sie offen geäußert hätten, wie es ihnen geht und wie einsam sich sich fühlen, dann hätten sie sich schwach und verletzbar gemacht.

Natürlich fand er sie noch schön und interessant, aber das zu zeigen war ihm nach all den Streitigkeiten unmöglich. Das hätte ihr ja noch mehr Macht über ihn gegeben, hätte ihn noch kleiner gemacht, als er sich eh schon fühlte. Und durch seinen Rückzug klagte sie noch mehr, weil sie sich natürlich immer weniger gesehen fühlte. Dadurch zog er sich noch mehr zurück....der Teufelskreis nahm seinen Lauf....

Berührt durch ihre gegenseitige Offenheit kamen sie langsam wieder ins Gespräch - als Mann und Frau. Auf die Frage, was jeder für sich aus der Sitzung mitnehme, antworteten beide, dass sie den Anderen in ihrem Konflikt gar nicht gesehen hätten - keinem von beiden war klar, was sein Verhalten beim Gegenüber auslöste. Und beide reflektierten, dass sie genau das Gegenteil von dem erzeugt haben, was sie wollten.

Hinaus ging noch kein Paar. Aber zwei Menschen, die wieder über sich und was sie sich wünschen ins Gespräch gekommen sind. Ein großer Schritt, vielleicht der Wichtigste, um sich konstruktiv miteinander auseinanderzusetzen.


Und fällt Dir etwas auf? Wir haben gar nicht über ihre Affaire gesprochen....