Mittwoch, 30. Dezember 2009

Jahresrückblick

Der vorletzte Tag des Jahres, es ist fast vorbei, 2009. Was für ein Jahr, was ist alles passiert, wie fand ich es? Was war gut, was war schlecht, wovon mehr, wovon weniger......Fragen, die heute passen. Fragen, mit denen ich das vergangene Jahr Revue passieren lasse, um es zu reflektieren und zu schauen, was ich mit den Antworten in 2010 machen kann.

Fragen für heute können sein:

- Was aus dem zurückliegenden Jahr erfüllt mich mit Freude?

- Was habe ich Neues an mir und für mich entdeckt?

- Welche Momente bleiben in Erinnerung?

- Welche Begegnungen haben mich inspiriert?

- Worauf bin ich stolz?

- Was hat mich nachdenklich gestimmt?

- Welche Eindrücke, welche (un-)erledigte Vorhaben will ich im alten Jahr lassen?

- Welche Grenzen habe ich entdeckt?

- Welchen Titel, welche Schlagzeile erhält mein Jahr?


Das Gute fortführen und verstärken und das, was mich nicht weiterbringt, lasse ich sein - oder versuche es.


Altes Jahr, mach´s gut, Neues Jahr....gib mir noch ein paar Stunden, dann kannst Du kommen!

Dienstag, 29. Dezember 2009

Zwischen den Jahren....

Heute habe ich wieder etwas gelernt:
warum heisst es eigentlich "zwischen den Jahren"?

Das hat was damit zu tun, dass früher an Weihnachten bzw. der Sonnenwende am 21. die Jahreswende war und nach der Einführung des julianischen Kalender der Jahreswechsel auf Sylvester verlegt wurde. Daher kommt dann die Redensart "zwischen den Jahren".


Schöne Tage zwischen den Jahren.....

Montag, 28. Dezember 2009

Die Tage zwischen den Tagen....

Weihnachten ist vorbei, es war schön, friedlich, besinnlich, verspielt, lecker, unterhaltsam, lustig - einfach schön. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr laden zum Innehalten ein, es ist schön zu sehen, dass alles ein wenig langsamer geht und (fast) jeder scheinbar einen Gang zurück geschaltet hat.

So mache auch ich hier eine Pause. Vom Reflektieren, Entwickeln, Weitergehen....jetzt wird einfach mal verschnauft und verarbeitet. Ich lasse Dinge sich setzen, lasse Dinge kommen und lasse Dinge gehen.....lebe in den Tag hinein und nehme jeden Tag als weitere Pause...bis es dann nächste Woche wieder losgeht .. was auch schön ist.....ohne Alltag würden wir die Ruhe nicht genießen und ohne Ruhephasen würden wir uns nicht auf den ganz normalen Alltag freuen.

Ich bekam ein Gedicht geschenkt, was mir sehr gut gefällt.

"Jeder muss das Wunder seines Lebens stets auf Neue erwirken.
Die Sehnsucht ist es, die unsere Seele nährt, nicht die Erfüllung."

R. Browning

Ich wünsche jedem seine Sehnsüchte, die ihn voranbringen, motivieren, die ihm Hoffnung geben, die ihn antreiben, die ihm Kraft und Mut ..... und einfach ein schönes Gefühl im Herzen geben.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Frohe Weihnachten!

Der Stern

Hätt` einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist, wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.

(Wilhelm Busch)


Frohe Weihnachten !

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Weihnachtspost.

Von einem lieben Kollegen erhielt ich eine Weihnachtsmail. Im Betreff stand: "Was wäre, wenn Weihnachten einfach ausfiele?"


Ich find seine Gedanken dazu schön und gebe sie im Original wieder:


Nahezu erwartungsgemäß ist in der Vorweihnachtszeit wenig Besinnlichkeit spürbar, die Hatz geht bis kurz vor den Feiertagen munter weiter. Viele wundern sich, „wo das Jahr eigentlich geblieben ist". Wir werden offenbar immer schneller und effizienter - weshalb dann nicht Weihnachten ausfallen lassen und einfach „durchziehen"?


Jenseits des Geschenketausches, der Verwandtenbesuche oder anderer Rituale entfiele damit eine wichtige Chance, die uns die Feiertage bieten.

Denn Weihnachten und die berühmten „Tage zwischen den Jahren" sind die Zeit, in der Innehalten und Ruhe sozial erlaubt sind. Hier wundert sich niemand, wenn Mails über mehrere Tage nicht beantwortet werden, Anrufe bei der Mailbox landen und Termine schlichtweg nicht möglich sind. Dies gibt vielen endlich die Entlastung, sich einmal nicht kümmern zu müssen. Mancher kennt vielleicht noch die Zeiten, in denen dies auch für Urlaube oder Krankheitsphasen galt - welche verlangsamte Steinzeit das gewesen sein muss.Jenseits des Geschenketausches, der Verwandtenbesuche oder anderer Rituale entfiele damit eine wichtige Chance, die uns die Feiertage bieten.

Denn Weihnachten und die berühmten „Tage zwischen den Jahren" sind die Zeit, in der Innehalten und Ruhe sozial erlaubt sind. Hier wundert sich niemand, wenn Mails über mehrere Tage nicht beantwortet werden, Anrufe bei der Mailbox landen und Termine schlichtweg nicht möglich sind. Dies gibt vielen endlich die Entlastung, sich einmal nicht kümmern zu müssen. Mancher kennt vielleicht noch die Zeiten, in denen dies auch für Urlaube oder Krankheitsphasen galt - welche verlangsamte Steinzeit das gewesen sein muss.



Innehalten ist jedoch kein Selbstläufer. Wer über das Jahr hinweg in permanenter innerer Aufgeregtheit verbracht hat, ständig Handlungs- oder Zukunftsentscheidungen zu treffen hatte, legt den Schalter nicht einfach so um. Man kann natürlich auch die ruhigen Tage verplanen und sie in Geschäftigkeit aller Art begehen oder bereits die großen Planungen für 2010 beginnen.

.....

Um den Schalter umzulegen, steht am Anfang das Loslassen. Dafür empfehlen sich Aktivitäten, die keine besondere Aufmerksamkeit fordern, die eigenen Sinne wecken oder einfach gänzlich anders sind als der Alltag. Das mögen ausgedehnte Spaziergänge, Saunabesuche, die eigene Weihnachtsbäckerei, das große Ausmisten, der lang aufgeschobene Roman oder, oder, oder sein. Als neue Aufgabe im Kalender funktionieren derartige „Abschalthilfen" allerdings nicht, sie entstehen am ehesten aus dem Impuls, dem Sich-Treiben-Lassen, dem Mal-wieder-Durchatmen....



Ich liebe es zu sehen, wie die Menschen sich immer mehr aus dem Arbeitsleben verabschieden, morgens geht es später los, es ist einfach ruhiger und nicht mehr so betriebsam.

Ja, wenn Weihnachten ausfiele, dann würde alles einfach weitergehen. Dann hätten wir diese Chance nicht zum Innehalten.

Wie schön, dass Weihnachten nicht ausfällt.





Dienstag, 22. Dezember 2009

Spring über Deinen Schatten!

Der Weihnachtsbaum steht, die Krippe auch, es kann losgehen ..... die Geschenke sind alle gekauft, noch nicht ganz verpackt, aber das kommt morgen. Ach wie schön, alle Jahre wieder!

Ich habe heute noch ein klärendes Gespräch geführt und fühle mich jetzt sehr gut, denn es ist alles geklärt. Das hat weniger mit Weihnachten als mit den freien, entspannten Tagen zu tun, die jetzt kommen. Ich wollte nicht, dass irgendein unangenehmes To do auf meinen Schultern liegt und die Stimmung trübt. Und so ist nun alles gesagt, unbeschwert kann es jetzt losgehen.

Vorher habe ich genau umgekehrt gedacht. "Führ´ jetzt nicht mehr das Gespräch, du verdirbst dir die ganzen schönen Tage. Klär´ es danach, ist noch Zeit genug."
Aber dann habe ich geschaut, ob das ein Verdrängen oder eine vernünftige Überlegung ist. Es war ein vor-mir-Herschieben. Es stand im Raum wie ein großer Elefant. Zu groß um ihn nicht zu bemerken. Und bevor ich mich bei jeder Gelegenheit an ihm gestoßen hätte, habe ich ihn lieber rausgelassen.

Es ist doch immer wieder interessant, wie wir uns selbst einen Streich spielen. Ganz klar ist die Klärung die beste Lösung, und dass es eine Klärung geben würde, dafür standen die Optionen gut. Trotzdem hat mein Gehirn auf Vermeidung geschaltet, hat Argumente produziert, die ganz plausibel das klärende Gespräch nach hinten verschoben hätten. Konfliktvermeidung nennt man das, aber das schlechte daran ist, dass der Konflikt deshalb nicht weg ist, sondern eben nur verdrängt wird... sprich, das Gespräch dazu ist nicht zu vermeiden, nur der Zeitpunkt. Aber je länger man wartet, desto heißer wird der Konflikt, denn es sammelt sich dann noch mehr an, zum Beispiel belastende Tatsachen, Aggressionen oder aber Unwohlsein.
Egal was davon sich ansammelt, es trägt nicht zur Klärung bei. Im Gegenteil, es belastet, weil es unter Druck setzt. Und dann ist die Gefahr, dass es emotional wird und tatsächlich hoch hergeht, viel größer.

Trotzdem wählen wir manchmal erstmal die Strategie Vermeidung, weil es vielleicht die einfachere, auf jeden Fall aber die gewohntere Lösung ist. Nur die bessere ist es nicht, denn ein Konflikt löst sich meistens nicht von selbst, eher potenziert er sich.

Ich bin froh, dass ich über meinen Schatten gesprungen bin und es bewusst anders gemacht habe. Das Ergebnis spricht für sich und macht mir Mut, es das nächste Mal wieder so zu machen.

So komme ich voran. Und das finde ich gut.




Montag, 21. Dezember 2009

Als Opfer habe ich keine Chance.

Noch 3 Tage bis Weihnachten, bin ich froh, dass ich fast alles zusammen habe - ich war heute kurz in der Stadt und ganz schnell wieder weg. Nicht auszuhalten, soviele Menschen, solange Schlangen vor den Kassen..... total unentspannt. Also bin ich schnell wieder in heimische Gefilde, da war es zwar auch voll, aber in viel erträglicheren Dimensionen.

Heute habe ich viel über Selbstbewußtsein und Opfer-sein nachgedacht.

Ich habe mit einer Freundin gesprochen, die zwar mit ihrem Mann zusammen ist, aber seit Jahren einen 2-Fronten-Krieg mit ihm führt. Die beiden sind schon urlange zusammen, kinderlos und haben vom Studium bis heute 25 Jahre zusammen verbracht. Scheinbar nicht ohne Wunden, denn sie klang ganz verbittert, als sie mir von ihm erzählte. "Er ist voll auf Kontrolle, hat nur seinen Körper im Kopf, was er wann isst und wann er den passenden Sport dazu macht..... meine Wünsche spielen gar keine Rolle und er hat mich immer, wenn es für mich schlecht lief, im Stich gelassen."
Sie erzählte mir Beispiele, die tatsächlich nicht schön zu hören waren, keine Frage, das hätte mich auch verletzt.

Als ich genauer nachfragte, bemerkte ich, dass ihre Beispiele von gerade passiert bis zu 8 Jahren zurück reichten. Sie hörten sich alle topaktuell an, aber scheinbar litt sie schon lange und immer noch unter bereits vergangenen Vorfällen.

Das wunderte mich, denn eine Sache ist, sich verletzen zu lassen, eine andere ist, über welchen Zeitraum.
"Habt Ihr schon mal darüber gesprochen, weiss er, dass du darunter leidest? Wenn es trotzdem nicht besser wird, warum tust Du Dir das an - schon solange?"
Das konnte sie mir nicht beantworten, sie hatte nur schon wieder ein neues Beispiel parat, was er nach einem solchen Gespräch zu ihr gesagt hatte.

Wenn ich für mich sorge, dann achte ich darauf, dass mich mein Partner nicht ständig verletzt. Wenn er das möchte, dann ist er nicht der Richtige. Wenn er das nicht möchte und es seiner Meinung nach auch nicht tut, dann schaue ich auch bei mir, ob ich überreagiere und Dinge möglicherweise anders sehen kann und sollte.

Wenn er das nicht möchte, aber trotzdem tut, dann weise ich ihn darauf hin und - wenn er es bereut- verzeihe ich. Denn wenn ich alle Verletzungen sammele, dann hat der andere keine Chance, denn ich halte ihm diese Verfehlungen immer wieder - wenn auch manche unausgesprochen - vor. Wenn ich verletzt wurde und das nicht abgelöst bzw. verziehen habe, dann kommen schnell Rachegefühle auf, dann will ich den anderen auch leiden sehen und schlage zurück. Dann bin ich in der Opferhaltung, hilflos und anklagend. Aus dieser Haltung heraus interpretiere ich ganz viele Verhaltensweisen meines Gegenübers gegen mich und je länger es dauert, desto mehr. Wenn sich diese Rolle des Opfers verfestigt, dann bin ich die Kleine, die sich wehren muss, um nicht noch kleiner zu werden, um nicht noch mehr Opfer zu sein. Ich wehre mich gegen vermeintliche neue Verletzungen, die ich natürlich auch in fast allen Verhaltensweisen erkenne. Mit Argusaugen schaue ich, was der andere tut und ob es gegen mich gerichtet ist. Und natürlich interpretiere ich es als "gegen-mich-gerichtet", denn der andere, der handelt, ist der Täter, und so sehe ich das, was er tut als Taten - meist gegen mich.

Wenn ich den anderen auf etwas aufmerksam mache, was er mir angetan hat und er ist bestürzt und bittet mich um Entschuldigung, dann kann ein Verzeihen auch mich befreien. Wenn ich daran festhalten würde unser Opfer-Täter-Spiel weiter zu spielen, dann kann ich mich nicht befreien, dann bleibe ich in dieser Verletzung (und auch in neuen) gefangen. Und als kleines, hilfloses Opfer nehme ich mir dann selbst die Kraft, für mich zu sorgen, Entscheidungen für mich zu fällen und unabhängig zu sein.

Das erklärt, warum meine Freundin, wenn es so war, sich nicht getrennt hat.
Sie konnte gar nicht.

Um zu schauen, was sie will und was wirklich in ihrer Beziehung los ist, muss sie erstmal schauen, wer sie ist, was sie will und was sie nicht will. Und sie muss wirklich auf sich schauen, denn wenn sie etwas nur als Reaktion auf seine Wünsche will bzw. nicht will, dann ist sie nicht frei, dann handelt sie abhängig von seinem Verhalten, aus Trotz. Erst wenn sie fühlt und weiss, was sie selbst will, dann kann sie reagieren. Erst wenn sie sagt, das verletzt mich, lass das, kann sie a) sehen, was er dazu denkt und b) wie er darauf reagiert. Und dann kann sie schauen wie sich das anfühlt. Und ob sie ihm verzeiht oder nicht.

Meine Freundin wusste erst gar nicht, was sie selbst wollte, sie hatte sich so auf ihren Partner eingeschossen, dass sie ganz viel von ihm erzählen konnte, aber nichts zu sich. Aber ich glaube, sie hat es verstanden, denn sie wollte ihn gleich heute ansprechen und das Thema mit ihm besprechen - ob er das eigentlich weiss, was er dazu denkt......jetzt kann es so oder so weitergehen....aber: es geht weiter.






Sonntag, 20. Dezember 2009

Entspannung 2

Manchmal bin ich total unruhig, oder ich habe mich aufgeregt oder ich bin einfach nur gehetzt und würde gern wieder etwas ruhiger werden. Nur denken" jetzt beruhigen" hilft mir oft nicht und deshalb habe ich ein paar Atemübungen für mich entdeckt, die ich je nach dem wo ich gerade bin, zu meiner Beruhigung oder Entspannung einsetze.

  • Zwerchfellatmung:
    Seitenlage, Beine etwas angewinkelt. Langsam ganz ausatmen, dabei den Bauch einziehen. Langsam einatmen und den Bauch vorwölben. Siebenmal auf jeder Seite. Die Übung wirkt besser, wenn ein Helfer hinter dem Rücken des Übenden kniet und seine Hände mit sanftem Druck auf den Brustkorb legt, um die seitlichen Atembewegungen einzudämmen.
  • Fisch:
    Rückenlage, Beine ausgestreckt. Die Hände mit den Handrücken nach oben unter das Gesäß schieben, den Brustkorb nach oben drücken. Sieben Atemzüge lang die Stellung halten, dann entspannen. Siebenmal durchführen.
  • Schlange:
    Bauchlage. Mit beiden Händen das Gesäß anfassen, Kopf und Oberkörper anheben mit Blick zum Boden. Sieben Atemzüge lang in dieser Stellung bleiben, dann entspannen. Siebenmal üben.
  • Huffing:
    Durch die Nase einatmen, anschließend bei lockerem offenen Kehlkopf durch den Mund die Luft in schneller Folge vier- bis fünfmal schnell ausstoßen oder aushusten.
  • Atemmeditation:
    Bequem aufrecht sitzen, Füße auf dem Boden, Hände auf dem Schoß. Augen schließen und den Körper spüren - Hände, Rücken, Füße etc. Die Aufmerksamkeit auf den Atem richten, das Ein- und Ausströmen beobachten, das Heben der Bauchdecke beim Einatmen, das Senken beim Ausatmen. Gedanken ziehen lassen wie die Wolken am Himmel. Nach einigen Minuten mit ein paar tiefen Atemzügen zurückkommen, die Hände ballen, räkeln und strecken.

Ich habe immer von Zeit zu Zeit meine Lieblingsübungen, die ich dann zwischendurch einsetze. Die Schlange geht zum Beispiel auch im Stehen, wenn ich im Job nicht viel Zeit habe und trotzdem einen kleinen Break einschieben will.
Wichtig ist für mich, immer bewusst zu atmen, möglichst - ausser beim Sport - eine Frequenz zu halten und wenn es geht tief durchatmen. Das versorgt mich mit ausreichend Sauerstoff....und hilft mir auch durch stressige Situationen!

Samstag, 19. Dezember 2009

Entspannung zwischendurch

Manchmal habe ich so müde Augen, dass ich anfange zu blinzeln und die Augen zusammen zu kneifen. Da habe ich einige schöne Übungen zur Augenentspannung gefunden:


  • Die Augen für ein paar Sekunden schließen, zuerst intensiv in helles Licht und danach in den dunklen Raum sehen.
  • Einen weit entfernten Punkt für einige Sekunden fixieren, häufig blinzeln.
  • Die Hände aneinander reiben, bis sie warm sind. Die Augen mit den nach außen gewölbten Handflächen verdecken, dabei die Nase nicht quetschen; die Augen können sich in der "dunklen Höhle" entspannen, verbunden mit tiefem Durchatmen; anschließend stellt man sich schwarzen Samt vor, welchen man sorgsam betrachtet; die Augen schließen und die Hände sinken lassen, allmählich behutsam in die Umgebung blinzeln - alles wird nun intensiver wahrgenommen.
  • Verstärktes Blinzeln zur Befeuchtung der Augen.
  • Mit geschlossenen Augen die Sonne genießen.
  • Akupressur: mit den Fingerspitzen gegen den Knochen der Augenhöhle oberhalb der Lider drücken (etwa 10-mal).
Diese Übungen funktionieren immer, vor allem, wenn ich wenig Zeit habe, kann ich sie einschieben....und habe wieder den Durchblick.

Freitag, 18. Dezember 2009

Dampfablassen ist sinnlos.

Ich genieße die Vorweihnachtszeit, finde die winterliche Stimmung toll und freue mich über Kerzen, Lichterschmuck und Weihnachtsplätzchen. Aber für manche scheint die Zeit sehr stressig zu sein. Heute war ich auf dem Wochenmarkt, viele andere hatten dieselbe Idee und es war ziemlich voll.

Wir drängten uns an den Ständen vorbei, in langen Schlangen mussten wir warten und die Stände waren schon ziemlich geplündert.
Ich kam an einen Blumenstand, der noch ein paar Haselnusszweige hatte. Vor mir in der Schlange standen 2 Frauen, die sich schon einige Zeit rangelten. Jede versuchte zuerst dran zu kommen, was natürlich nicht ging. Die, die den Kürzeren zog, fing an zu schimpfen. Und zwar richtig. Sie ließ eine Kanonade los, die ihresgleichen sucht. Sie schimpfte, zeterte, beschimpfte die andere Frau, regte sich über den Markt auf, verfiel in allgemeine Beschwerden und die Verkäuferin hatte Probleme, normal weiter zu arbeiten. Irgendwann hörte die Frau auf zu schimpfen, denn keiner reagierte und alle, die es mit bekamen, schauten sie befremdet an.
Wütend ging sie davon, kopfschüttelnd und leise weiter schimpfend.

Diese Frau hatte so richtig Dampf abgelassen. Manche sagen, dass tut gut, das befreit.
Das mag kurzfristig so sein, aber nur vermeintlich. Denn es kann nicht gut tun.

Denn erstens bringt es den Dampfablassenden in eine aggressive Stimmung, die nicht weggeht, wenn das Dampf ablassen beendet ist. Nein, im Gegenteil, Dampf ablassen schafft eine Negativspirale, die die Aggression nur steigert.
Und, ganz entscheidend: durch Dampf ablassen ist weder das Problem gelöst noch habe ich Strategien gefunden, um mit der Thematik umzugehen (und es beim nächsten Mal gar nicht so weit kommen zu lassen.)

Sprich, Dampf ablassen ist völlig unproduktiv, denn es führt zu nichts ausser zu noch mehr Aggressionen.

Besser ist es, schon frühzeitig zu intervenieren und es gar nicht soweit kommen zu lassen, dass ich mich so aufrege. Besser ist es, Dinge eher anzusprechen, zu ändern oder auch zu vermeiden als ihnen so eine negative Macht über mich zu geben. Besser ist es zu schauen, was mich stört, das zu ändern und dafür zu sorgen, dass sich erst gar keine Wut in mir aufstaut.

Natürlich kann es immer mal passieren, dass ich mich über etwas ärgere. Aber dann kann ich direkt etwas tun, um die Ärgerquelle abzustellen, als es soweit kommen zu lassen, dass ich fast platze.

Das ist auf Dauer viel entspannter und auch viel gesünder.

Die Frau auf dem Markt hat noch nichts reflektiert, sie sah so als als wenn ihr das beim nächsten Mal wieder passieren könnte. Und da sieht man, alles Aufregen nutzt nichts, denn es führt zu nichts...ausser zu einem ruinierten Einkauf.




Donnerstag, 17. Dezember 2009

Sag ruhig auch unangenehme Dinge.

Heute ist mir etwas passiert, was zu den Themen der letzten Tage passt. Ich war zu einer Adventsfeier eingeladen, Hausmusik von den Kindern der Gastgeber und Nachbarn mit anschließendem Adventstee. Eine Freundin mit Kind holte mich ab und gemeinsam fuhren wir dorthin.

Es war eine kleine Veranstaltung im engeren Freundeskreis, wie gesagt, die Kinder machten die Musik - also eher ungezwungen und locker. Meine Freundin war total gestylt, so sehr, dass ich sie fragte, ob sie hinterher noch woanders hinwolle.
Nein, sie hatte sich für den Adventskaffee so schick gemacht.

Sie fragte mich, ob ich es overdressed find, ich zögerte. Wenn ich es ihr sage, dass fühlt sie sich die ganze Zeit unwohl, wenn ich nichts sage, wird sie spätestens an den Blicken dort merken, dass das Dekollté und die Schmuck- und Make Up-Menge einfach nicht passen. Ich wollte sie nicht verletzen, wollte aber auch authentisch sein, nicht so tun als ob.

Ich sagte, dass ich sie sehr schick finde, für diesen Rahmen allerdings etwas sehr schick und zuviel für ein so kinder-ausgerichtetes "Event". Sie nahm es locker und vereinfachte ihr Outfit indem sie den Schmuck reduzierte und 1,2,3 ihre Haare wieder auflockerte und sportlicher umstylte. Ihren Ausschnitt bekam sie nicht kleiner, aber für alle Fälle liess sie erstmal ihren Schal um.

So war es dann adäquater und sie merkte dann später, dass sie zwar immer noch sehr stylisch war, aber nun nicht mehr so auffällig. Sie fühlte sich wohl und dankte mir hinter her, sagte, dass sie sich sonst sehr unsicher gefühlt hätte.

Also war es richtig, es ihr zu sagen, ich merkte, dass ich ihr peinliche Momente dazu erspart hatte.

Ich hatte es ihr respektvoll gesagt, hatte es zwar sanft verpackt, aber die Botschaft war klar. Ich war wohlwollend und konstruktiv und ich war eindeutig. Ich habe nicht drum herum geredet, nicht nur Andeutungen gemacht, sie wusste zu jeder Zeit, woran sie war.
Und dann war es auch für sie ok, im Gegenteil, ich glaube, sie hätte es mir übel genommen, wenn ich nichts gesagt hätte und sie es erst vor Ort gemerkt hätte. Dann wäre mein "Du sieht gut aus" ein Weichspüler gewesen, und nicht rein den Tatsachen entsprechend.

Ich denke, es ist gut für beide, wenn jemand wohlwollend ehrlich ist, auch wenn die Wahrheit mal unbequem, kritikreich oder gar verletzend ist. Das erhöht das Vertrauen und zeigt dem anderen, dass ich ihn ernst nehme, auch wenn das, was ich ihm sage, nicht unbedingt das ist, was er hören möchte.

Aber am Ende bringen nur diese Wahrheiten mich und auch andere weiter. Auch wenn´s erstmal unangenehm ist.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Für mich sorgen.

Lucia rief mich an.....sie hat tatsächlich mit ihrem Mann gesprochen und hat ihm gesagt, dass es ihr zuviel sei. Und er hat direkt reagiert, hat ab Freitag Urlaub genommen und sie hat Samstag und Sonntag für sich, er macht die Kinder und was alles so anfällt.

Sie war ganz glücklich und hat daraus den Mut geschöpft, es beim nächsten Mal direkt anzusprechen, wenn sie merkt, ihre Energievorräte werden leerer.... denn scheinbar geht es doch....!

Dienstag, 15. Dezember 2009

Man muss nicht die Zähme zusammen beißen!

Das Jahr ist fast vorbei, 1 oder 2 Wochen, die etwas ruhiger werden, stehen uns bevor - Zeit und die Möglichkeit, einmal durchzuatmen.
Ich arbeite auch schon weniger, obwohl gerade heute und morgen noch mal viel ansteht, aber insgesamt schalte ich einen Gang runter und lasse die letzten Tage des Jahres auf mich zu kommen. Das fühlt sich gut an, macht Luft und gibt auch Raum für Neues.

Mit diesem Gefühl ging ich heute auf den Markt und traf dort Lucia, eine Nachbarin aus früheren Zeiten. Lucia hat 2 kids, Mann und einen Job, der sie fordert, aber mit der Familie vereinbar ist. Wenn nicht gerade Familienthemen anstehen, die zusätzlich dazu kommen. So hatte sie 4 Wochen ihre Mutter zu Besuch, die krank war und regenerieren wollte bei ihr, davor hatte sie schon ihre Kinder jeweils für 1 Woche krank zuhause und als i-Punkt war ihr Mann in den letzten 3 Wochen nur gesamt 5 Tage da gewesen, also nicht wirklich als Unterstützer verfügbar.
Lucia sah müde aus, ausgelaugt und war gestresst.
Ich hatte unser Gespräch so begonnen wie ich mein Gefühl eingangs beschrieben habe, und sie lachte nur kurz ironisch auf, als ich "ausklingen" und "Luft haben" ansprach.

Das galt für sie nicht, sie hätte am liebsten 2 Wochen am Stück geschlafen, dann entspannt und würde dann langsam wieder ins Leben kommen. "Aber ich beiße die Zähne zusammen, ab Februar wird es besser..."
Ich wollte gar nicht wissen, warum es ab Februar besser wird - mich interessierte, warum sie meinte, die Zähne zusammen beißen zu müssen.
"Wer soll es denn sonst machen", "es geht ja nicht anders", das waren ihre Kommentare dazu und scheinbar sah sie wirklich keine andere Möglichkeit als sich selbst gnadenlos zu überfordern.

Was ist mit Deinem Bruder? Ach der hat auch soviel um die Ohren?
Was ist mit Deinem Mann? Ne, da ist im Geschäft soviel los!

Egal wer mir einfiel, es ging nicht, weil diejenigen zu beschäftigt waren.

Ich fragte sie, ob sie irgendjemand um Hilfe gebeten habe, oder ob sie irgendjemand gesagt hätte, dass es zu viel sei. Hatte sie nicht, eben weil alle anderen ja auch vermeintlich gestresst waren. Und weil sie das schon schaffe.....

Mein Kommentar dazu war, dass sie wahrscheinlich erst umfallen müsse, bevor sie sich erlaube, um Hilfe zu bitten.

Kein Mensch muss die Zähne zusammen beißen und durchhalten. Wenn es zu viel wird, an die Substanz geht, ich einfach darunter leide, dann darf ich um Hilfe bitte. Dann darf ich sagen, ich kann nicht mehr und andere mit in die Verantwortung ziehen.
Denn für die meisten Dinge, die uns passieren, sind nicht nur wir verantwortlich, sondern oft noch mindestens eine weitere Person.

Das kann mein Mann sein, denn für unsere Kinder ist er auch verantwortlich. Das kann der Bruder sein, denn für die Mutter ist er auch verantwortlich. Das kann die Freundin sein, denn für einen Freund kann auch sie etwas tun.... Kein Mensch muss alles Leid auf sich bürden und für andere tragen. Jeder kann fragen und andere Nahestehende mit einbeziehen.

Diese Bitte um Unterstützung ist keine Frage von Schwäche, nein, es ist klug, wenn ich meine Grenzen erkenne und mutig, wenn ich dann entsprechend für mich sorge.

Bei Lucia war es tatsächlich die Angst vor Unverständnis, sie nahm sich nicht wichtig genug und damit auch nicht ihre Belastung. Und sie war zu stolz, sie sah sich selbst als schwach an, wenn sie um Hilfe gebeten hätte. Deshalb bat sie nicht um Unterstützung. Und ich denke, sie wird es auch jetzt noch nicht tun. Aber sie wird nicht mehr lange können... und dann wird sie zur Ruhe gezwungen sein, einfach weil nichts mehr geht.

Vielleicht lernt sie daraus und wird beim nächsten Mal begreifen, dass ihr Wohlbefinden und innere Zufriedenheit wichtiger sind als ihr Stolz.
Und mindestens so wichtig wie die Belange der anderen, die auch helfen könnten.

Montag, 14. Dezember 2009

Sprich von Dir - unfreiwilliger Teil 3

Jetzt habe ich 2 Tage über Kommunikation geschrieben, über deutlich sagen, was ich möchte und dann passiert heute das:
Ich laufe mit Kind und Kollege zur Bahn, wir wollten nach Hannover, um dort ein Gespräch zu führen mit anderen Kollegen. Wie meistens waren wir auch heute knapp in der Zeit, ich wollte aber trotzdem noch schnell ein Milchbrötchen kaufen und sage zu Kollege Martin, der Beamer und Koffer trug: "Geh doch schon mal zum Aufzug, ich komme gleich!"

Ich hetze also mit Pippa zum Bäcker, kaufe schnell das Brötchen und hechte die Treppen hoch zum Bahnsteig. Der Zug steht schon da, ich schaue den Bahnsteig hinunter, kein Martin zu sehen. Ich denke mir, schlau von ihm, er ist schon drin und sichert Plätze...., springe also auch rein mit Pippa-Lee und gehe Richtung Restaurant...denn wir hatten auf der Hinfahrt schon von einem leckeren Bahnfrühstück geträumt. Die Türen schließen, ich gehe durch den Zug, schaue zufällig raus....und sehe beim Abfahren Martin aus dem Auszug kommend auf dem Bahnsteig stehen.
Ratlos, suchend, wenn er die Hände frei gehabt hätte, hätte er sich die Haare gerauft - ich konnte quasi in seinem Gesicht lesen, dass er nicht vor und zurück wußte.

Ich rief ihn an, sagte ihm, dass ich an der nächsten Station aussteigen würde, um dort auf ihn zu warten und dass wir dann gemeinsam weiterfahren würden. Das Gespräch war relativ kurz und eisig.

Was war passiert??
Wenn ich jetzt die Frauen fragen würde, dann würden die sagen: Du hast gesagt "Geh schon mal zum Aufzug" und hast gemeint "Fahr schon mal mit dem Aufzug hoch auf den Bahnsteig!"
Wenn ich einen Mann fragen würde, würde der antworten: "Du hast gesagt, geh zum Aufzug, also ist er dorthin gegangen und hat dort auf Dich gewartet. Genau wie Du es gesagt hast."

Ein Freund, dem ich das eben erzählt habe, der meinte, er ahne was passiert sei, aber er sei seit 15 Jahren verheiratet und wüsste deshalb, dass er auf den Bahnsteig hätte fahren sollen....
Zitat: "Ich weiss, was Frauen sagen und was sie meinen...meistens jedenfalls..." Zitatende.

Erwischt. Ja, genau so ist es. Heute auf jeden Fall gewesen.
Ich habe nicht genau das gesagt, was ich gemeint habe und Martin hat mich beim Wort genommen.
Ganz einfach. Ich habe gesprochen und vorausgesetzt, dass er wie ich denkt. Martin dagegen hat sich an das gehalten,was ich wirklich gesagt habe und stand dann da. Allein auf dem Bahnsteig.

Er hat mir natürlich den Kopf gewaschen, als wir uns wieder hatten. Ich ihm auch, aber er ließ das nicht gelten. Es dauerte noch eine Stunde, bis wir herzhaft darüber lachen konnten....ich habe auf jeden Fall eins gelernt heute:

Der andere kann nicht wissen, was ich meine. Sonst wäre er Hellseher geworden. Oder Gedankenleser. Ist er aber nicht. Jeder versteht Dinge auf seine Art. Deshalb muss ich meine Gedanken, Wünsch, Pläne etc. ausdrücken, damit ich verstanden werde.

Das heisst konkret: Ich sage es ab jetzt so, wie ich es meine.
Denn ich mag gar nicht allein Zug fahren....





Sonntag, 13. Dezember 2009

Sprich von Dir - Teil 2

Letzte Woche habe ich mich mit einer Mutter getroffen, die scheinbar gerade eine schwere Phase durchmacht. Ihre Kinder pubertieren, 1 Mädel und ein Junge, und beide auf ihre Art scheinen sehr anstrengend zu sein.
Dazu kommt eine handfeste Ehekrise, die beiden scheinen ich auseinander gelebt zu haben, ausser Vorwürfen, was der andere alles falsch macht, passiert wenig Kommunikation.

"Er macht nur sein Ding, interessiert sich überhaupt nicht für mich, ich kann Dir nicht sagen, wann er sich das letzte Mal die Mühe gemacht hat, mir mal einen schönen Abend zu machen. Geschweige denn ein Kompliment oder sonst etwas nettes. Nix kommt von ihm, gar nichts....." Lea ließ ihren ganzen Frust über Timo, ihren Mann, heraus und die Klagen über ihre Kinder hörten sich ähnlich an. Amelie macht das nicht und Benedikt macht immer so und so.....ich konnte mir schon nach kurzer Zeit vorstellen, wie es gerade bei ihr zuhause abgeht.

Mir fiel nur auf, dass es immer um die anderen ging. Timo, Amelie, Benedikt, sie schienen alles falsch zu machen. Ich fragte sie, ob sie das auch ihrer Familie so sagt, wie sie es mir gerade gesagt hat. "Du machst das, du das.......", sie bejahte, ja klar, wenn sie nichts sagen würde, dann würde sich ja nie was ändern und außerdem würde sie sonst platzen, so genervt sei sie.

Auf meine Frage, ob sich denn schon etwas geändert habe, sagte sie verbittert, dass sich nichts ändern würde, manchmal hätte sie das Gefühl, dass es die 3 gar nicht interessiert, was sie sagt.

Ich fragte sie, was sie denn möchte. Ich hätte jetzt ganz viel gehört, was sie doof findet und was sie stört - aber mit keinem Wort einen Ich-Satz mit ihren Wünschen.
Sie schaute mich verdutzt an, sagte, dass das doch klar sei....nein, genau das ist es nicht.

Wenn ich mich oft in Du-Botschaften ausdrücke und den anderen sage, was ich nicht gut finde an ihnen und was sie falsch machen, dann habe ich damit noch mit keiner Silbe gesagt, wie ich es denn gern hätte. Ich sage mit Du-Botschaften nicht, was ich mir wünsche, was und wie es für mich ok wäre. Ich mache mit Du-Botschaften nur Vorwürfe, die aber nicht produktiv sind, sondern den anderen nur klein machen und ihn in die Defensive drängen. Du-Botschaften drücken Konfrontation aus, sie machen den anderen eher aggressiv als änderungsbereit.

Produktiv werden meine Sätze erst, wenn ich von mir spreche, wenn ich meine Änderungswünsche klar benenne und Stellung beziehe. Erst dann bin ich bei mir. Wenn ich sage, was eine Situation bei mir für ein Gefühl auslöst und was ich für eine Veränderung wünsche, dann hat das nur mit mir zu tun, dann ist das keine Konfrontation, sondern ein Wunsch an mein Gegenüber.

Und die Wahrscheinlichkeit, dass mein Gegenüber darüber nachdenkt und möglicherweise etwas ändert ist so sehr viel höher, als wenn ich schimpfe und zetere und hoffe, das ausser meinem Geschimpfe auch noch verstanden wird, was ich nicht sage:
Das, was ich eigentlich will.







Samstag, 12. Dezember 2009

Sprich von Dir - Teil 1

Samstag vor dem 3. Avent. Otis wollte mit mir in die Stadt um mir mögliche Geschenke zu zeigen...Gott sei Dank ist er bei seiner Verabredung versackt und hat abgesagt. Heute in die volle Stadt, oh je. Jetzt vor Weihnachten finde ich es so ungemütlich voll dort, dass ich gar nicht shoppen gehen mag. Da bin ich lieber hier in meinem Viertel geblieben und habe vor meiner Tür eingekauft.

Das hatte sich Matilda, eine Freundin von mir aus Agenturzeiten, auch gedacht und wir trafen uns zufällig auf der Strasse. Da Püppi gerade schlief, Matilda nach Hause wollte und das für mich eine schöne Spazierwegstrecke war, sind wir ein Stück zusammen gegangen.

"Man weiss ja gar nicht, was man alles kaufen soll, soviel schöne Sachen gibt es. ....aber man kann ja auch nicht jedem etwas schenken.....es macht keinen Sinn, wenn man für Weihnachten sein Konto schröpft...." Matilda hatte wohl die Qual der Wahl, aber nach dem 5. Satz mit "man" unterbrach ich sie und fragte, wer ist eigentlich "man"? "Ja ich, aber man sagt das doch so....", da war es schon wieder.

Ja, viele sagen das so, aber man ist ein Füllwort, das von mir ablenkt. Wenn ich man sage, dann beziehe ich keine Stellung, dann übernehme ich keine Verantwortung für das, was ich sage und spreche schwammig. Man sind alle und keiner.

Matilda sagte dann, dass es ihr auch wenig unangenehm sei, weil man ja sonst denken könne, sie sei geizig, wenn sie mir erzählt, sie könne ja nicht allen etwas schenken...jetzt war also ich mit man gemeint, oder? Und auch das war ihr scheinbar unangenehm zu sagen, denn sie wollte mir ja nichts unterstellen.

Genauso wird man oft benutzt: in Situationen, in den ich unsicher bin, zu denen ich nicht richtig stehen kann oder nicht weiss, wie ich dazu stehen soll. Aber mit dem Gebrauch von man wird das nicht besser, nein, es wird noch unsicherer, weil ich wie ein Fähnchen verbal hin und her flattere.

Ich habe Matilda gesagt, dass sie doch eigentlich meinte: "Ich weiss gar nicht, was kaufen soll, die Auswahl ist so gross, ich könnte jedem was schenken, aber das möchte ich nicht, weil ich soviel Geld gar nicht habe...!" Sie stimmte mir zu, ja, das in etwa habe sie sagen wollen....und sie meinte, dass es sich bei mir gar nicht so schlimm angehört habe...eigentlich ganz nachvollziehbar.

"Aber man denkt eben..." da war es wieder....man ist schon so in unseren Wortschatz eingedrungen, dass es höchster Konzentration bedarf, nicht mehr man, sondern ich zu sagen.
Doch es lohnt sich, denn ich bezieht Position, ist greifbar und viel stärker als dass verwässernde man. Nur wenn jemand ich sagt, dann habe ich ein Gegenüber, wenn jemand man sagt, spreche ich nur mit dem Stellvertreter von...ja, von wem eigentlich?

Matilda hat sich bei unserem Spaziergang immer wieder verbessert, wir haben beim 5. Mal darüber gelacht und zusammen "man bin ich" gesagt....aber etwas Nachdenkliches hatte sie schon als wir uns trennten, denn ihr letzter Satz war: "Meinst du, man äh, ich will wirklich keine Stellung beziehen, wenn ich man sage? Das hieße ja, ich stehe nicht zu dem, was ich sage...."

Ja, das meine ich. Genauso.



Freitag, 11. Dezember 2009

Zu Gast bei mir.

Ich bin allein, Otis schläft bei einem Freund, Püppi schläft schon....das ist eine Ruhe, und Zeit. Ich kann einen Abend ganz allein genießen, keine Ahnung, wann das das letzte Mal so war. Was mache ich nur... eigentlich bin ich müde und würde mich einfach faul aufs Sofa legen und faulenzen.

Aber das ist zu wenig.

Wenn ich jetzt Besuch hätte, dann würde ich einen leckeren Tee machen, Kerzen anzünden, sprich, ich würde es nett machen und mich gut unterhalten. Ich würde mir Mühe geben, dass mein Besuch es schön hat und sich bei mir wohl fühlt.

Und was ist heute mit mir? ich möchte es mir auch so schön machen, dass ich mich richtig wohl fühle. Ich nehme mich genauso wichtig und mache es mir auch schön, und zwar so schön, als wenn ich der liebste Besuch wäre.

Ich habe mir einen schönen Tee gekocht, alle Kerzen angezündet, habe mir ein paar Pralinen kredenzt und schaue, was das Fernsehprogramm zu bieten hat. Nichts wirklich gutes, also habe ich geschaut, was ich mir ausleihen kann, denn ich möchte die Seele baumeln lassen und dazu brauche ich einen schönen Film.

So und jetzt mache ich es mir richtig gemütlich, mit meinem Tee und Pralinés, "Zeiten des Aufruhrs" schaue ich mir an und lasse es mir richtig gut gehen.

Mit mir. Was für ein Luxus.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Mit Freude kaufen.

Ich habe schmutzige Hände vom Geld zählen - Otis hat seine Spardose geknackt und ich durfte zählen....er ist ganz stolz, freut sich und ich habe tatsächlich beim monotonen Geldzählen entspannt. Sollten wir öfter machen...

Spannend war, als er das ganze Geld sah, wie er offensichtlich Lust auf mehr bekam und schon überlegte, wie er mehr sparen könnte....und dann lief auf der anderen Seite auch der Film ab, "was kann ich mir dafür alles kaufen...".
Sein Maßstab für viel Geld ausgeben war dann die Playstation 3, als ich sagte, "Ja, die kannst Du Dir kaufen, willst Du?" - da wehrte er ganz vehement ab und sagte, "NEIN, ich geb doch mein Erspartes nicht für eine PS 3 aus!"

Das kenne ich von ihm, er spart und ich kaufe ihm die Sachen...aber etwas gelernt habe ich trotzdem daraus.
Wenn mir etwas gut gefällt, dann überleg ich meistens nicht lange, sondern kaufe es.

Otis findet eine Playstation 3 wirklich cool, und wenn er auf einer spielt, dann findet er das wirklich toll. Und trotzdem würde er sein Geld nicht dafür ausgeben. Weil er eine PS 2 hat und eine neue ihm das Geld nicht wert ist.

..ihm das Geld nicht wert ist...sind mir die Sachen, die ich kaufe, eigentlich das Geld wert? Freue ich mich tatsächlich länger über die Dinge, die ich mir kaufe? Oder gewöhne ich mich schnell an sie und kaufe wieder etwas anderes, das mir dann einen neuen Kick gibt?
Wie groß ist mein Wunsch eigentlich, wenn ich neue Klamotten oder sonstwas kaufe.
Ist das, was ich kaufe, ein must have oder ein nice to have?

Ich habe für mich gemerkt, dass ich zu oft nice to have´s kaufe - und das macht mich nicht wirklich glücklich, weil ich ich sie zwar schön finde, aber oft nicht wirklich lange als besonders empfinde.

Der Unterscheid: wenn Otis etwas kauft, dann hat er das vorher überlegt, ist ein paar Tage drum herum geschlichen, muss es sofort spielen oder gebrauchen, wenn er es gekauft hat und das tagelang. Er freut sich offensichtlich über die Dinge, die er sich gekauft hat (oder auf Wunsch bekommen hat), machmal legt er sie nachts neben sich....und das finde ich toll, ich möchte das auch so empfinden. Und das geht nur, wenn ich ausgewählte Dinge kaufe, besondere Dinge, die auch wirklich wirklich wirklich gern haben möchte. Ich glaube, dann kommt auch echte Freude auf. Bei must have´s eben....

....ich seh schon, so erhöht sich die Möglichkeit dass ich bald wieder schmutzige Finger habe.....vielleicht ist dann ja meine Spardose!






Mittwoch, 9. Dezember 2009

Änderung geht. 2.Teil

Nach meiner Freude über Dierk, der sich ja sehr schön entwickelt hat, habe ich heute mit einer Frau gesprochen, die über massive Selbstzweifel verfügte und sich selbst überhaupt nicht wichtig nahm. Da wir zusammen arbeiten, war ihr Selbstwert-Thema in den letzten Woche immer mal wieder Gegenstand unseres Gespräches.

So erzählte sie mir damals, dass ihre von mir gelobten Fähigkeiten, Menschen zu verbinden, Beziehung herzustellen und ihre Aufgeschlossenheit anderen und neuem gegenüber absolut nichts Besonderes seien und dass die Eigenschaften ihres Kollegen, der aufgrund seines Geschickes Karriere gemacht hatte, doch viel wichtiger und entsprechend höher zu bewerten seien.

Privat kam sie sich klein vor, wenn sie ihren Sohn bei Eltern abholte, die in einem großen, stylischen Haus leben, illustre Menschen kennen und "so locker" sind. Ihr Partner sei auch viel geschickter als sie, weiß einfach viel mehr und wenn nicht, dann würde er es sich aneignen - dadurch fühle sie sich dann wieder kleiner.

Ich habe sie ein paar Mal gefragt, wie sie sich selbst beurteilen würde, wenn sie sich mal tagsüber oder einfach bei so einem Gespräch mit den coolen Eltern beobachten würde.

Sie konnte zwar sehen, dass auch sie etwas zu sagen hatte, sie erkannte auch, dass sie scheinbar einigen Menschen wirklich gut tat und empathischer war als manch anderer - fand das aber nicht besonders, sondern erwartete das von sich.

Mein Reden, dass das durchaus eine besondere Eigenschaft sei, verhallte. Und da machte ich ihr den Vorschlag, doch mal jeden Tag aufzuschreiben, was sie an einem Tag gut gemacht habe. Egal was, und wenn es leckere Lunchbrote für den Sohn waren.

Heute sprachen wir nach einigen Wochen mal wieder darüber, und ich bekam den Mund nicht zu:
"Ich habe mich bei der Weihnachtsfeier beobachtet und schon gemerkt, dass ich diejenige war, die die obere Tischecke unterhalten hat. Ich konnte auch Dinge erzählen, die die anderen nicht kannten oder wussten und ich merkte, die fanden das interessant!"

Phantastisch, ich bin begeistert, sie kann sich einschätzen und Positives über sich wahrnehmen.

"Als ich bei den Eltern von xy war, Du weisst schon, die mit dem großen Haus, da habe ich gemerkt, dass die Frau ganz schön gern und viel erzählt. Vor allem über Künstler, die sie kennt, über die redet sie mit Vornamen - ich glaube, die profiliert sich darüber. Und ich habe gemerkt, ich habe ja auch was zu bieten. Zwar keine illustren Freunde, aber was wir machen, ist auch echt gut, zwar anders, aber nicht weniger..."

Das war es. Sie hat es verstanden. Sie war raus dem Vergleich, raus aus dem andere als besser ansehen und sich selbst klein machen.

Und da war sie durch das kleine Tagebuch hingekommen, denn sie merkte, dass sie jeden Tag etwas Positives über sich aufschreiben konnte - wenn sie es allein nicht schaffte, weil sie es als selbstverständlich annahm, dann hat sie versucht aus neutraler Brille zu schauen: Was würden andere sagen, was war heute gut? Und da war ihr immer etwas aufgefallen... und über die Wochen hatte das zu einem Sinneswandel geführt.

Sie strahlte, denn natürlich fühlte sie sich besser, und ich freute mich auch.

Entwicklung geht. Wenn man, oder in diesem Fall Frau, will.




Dienstag, 8. Dezember 2009

Falsche Diplomatie.

Püppi bekommt Zähne, fiebert und wollte den ganzen Tag nicht von meinem Arm. Damit war ich natürlich ruhig gestellt und konnte nicht wirklich viel machen. Gedanken habe ich mir einige gemacht, dafür war Zeit und Muße und eben habe ich über ein Telefonat nachgedacht, dass ich heute morgen geführt habe.

Eine Freundin von mir übt gerade Verantwortung abzugeben, nicht alles an sich zu reißen und einfach mal auszuprobieren, ob andere nicht auch Aufgaben lösen können...bisher ist sie fest davon überzeugt gewesen, dass sie alles tun muss, damit es auch tatsächlich getan wird.

Sie gibt nun Aufgaben ab und wenn neue reinkommen, dann reisst sie diese nicht sofort an sich. Das fällt ihr schwer, denn sie hat echte Sorgen, dass einige Projekte dadurch wackeln und schief gehen könnten. Das sind aber schon mal 2 verschiedene Dinge, Verantwortung abgeben und sicherzustellen, dass Aufgaben gut erledigt werden. Wir haben gemeinsam überlegt, wie sie das lösen kann: Verantwortung abgeben und trotzdem unterstützend oder als Teamplayer zur Seite stehen.
Die Antwort fiel ihr schwer, sie hatte es schon mal versucht mit: "Könnte ich dir irgendwie helfen?" oder "Brauchst Du Hilfe?" und jedes Mal ein Nein gehört. Am Ende war das Ergebnis, mit dem sie dann weiter arbeiten musste, fehlerhaft und nicht optimal, so dass sie selbst noch mal daran gearbeitet hat.

Sie verstand nicht, warum die Kollegen sie nicht um Hilfe gebeten haben, obwohl sie diese doch angeboten hatte. Hatte sie wirklich?

Ihre Art der Fragestellung ist nicht verbindlich und trifft nicht den Punkt, also nicht das, was sie eigentlich sagen wollte.
Wenn sie nicht hätte nett sein wollen und keine Angst hätte, dem anderen zu nahe zu treten, dann hätte sie gesagt: "Du, letztes Mal ist bei dem Projekt das und das schief gelaufen. Da ich danach das Finetuning machen musste und Du für Korrekturen nicht mehr erreichbar - weil bereits im Urlaub - warst, möchte ich dieses Mal sichergehen, dass das besser läuft und mit Dir gemeinsam in Zwischenschritten das Procedere abstimmen."

Für diese Klarheit hat sie nicht gesorgt. Stattdessen hat sie einfach gefragt "Könnte ich....." - woraufhin die Kollegin nur hilflos mit den Schultern gezuckt hat, "nein, ich mach das schon..." gemurmelt hat und dann wieder zum Alltagsgeschäft übergegangen ist. Klar, konnte sie auch, sie hat ja die Mehrarbeit und die Folgen ihrer Schludrigkeit (wahrscheinlich) nicht zu tragen. (Und ein Schelm ist, der Böses dabei denkt und vielleicht unterstellt, sie nutzt meine Freundin aus, weil sie weiss, dass die das schon wieder ins Lot bringt...)

Meine Freundin hat mit dem Versuch, nett oder diplomatisch zu sein, wie sie es nennt, ihre Aussage so weichgespült, dass sie mit einem kurzen Nein weggewischt werden konnte. Das stecken 2 Fallen drin: sie kommuniziert nicht klar ihre Wünsche und kommt entsprechend nicht zum Ziel. Sie redet um ihr Bedürfnis herum, benennt es nicht. Und damit sind wir bei der 2. Falle: Sie ist auch für ihr Gegenüber nicht greifbar, weil sie sich windet und wendet und nicht klar sagt, was sie will. Damit ist jede Verbindlichkeit dahin, für beide Seiten. Meine Freundin kann nicht die Qualität des Projekts sichern und sie bringt ihre Kollegin nicht in die Verantwortung dafür.

Viel besser wäre, klar zu äußern, was ich möchte und was mein Gegenüber damit zu tun hat. Das ist viel zielführender, ehrlicher und am Ende auch wertschätzender als der Versuch, nett zu sein.

Nett sein ist wie Brei, und einen Brei kann man nicht greifen.
Der zerfließt zwischen meinen Fingern....und macht am Ende nur mehr Arbeit.


Montag, 7. Dezember 2009

Ich muss nicht verstehen, warum ich etwas tue um es zu ändern.

Eine neue Woche, aber eigentlich noch ein verlängerter Sonntag, weil ich nur abends kurz gearbeitet habe, der Rest des Tages stand noch "zur freien Verfügung". Ich traf zufällig eine ehemalige Arbeitskollegin beim Einkaufen und da wir beide nichts besonderes vorhatten, gingen wir danach noch einen Kaffee trinken.

Charlotte, so heisst sie, war immer schon sehr wechselhaft. Eigentlich lustig, nett, etwas scheu, und dann wieder kratzbürstig, überempfindlich, fast um sich schlagend. Damals, als wir zusammen gearbeitet haben, war das manchmal richtig anstrengend, denn es reichte ein falsches Wort und ab ging die Rakete.

Heute war sie gutgelaunt, ja, machmal etwas nachdenklich, aber ok. Sie arbeitet auch frei, hatte aber die Stunden reduziert, weil sie, wie sie es nannte, gerade ein Seelen-Sabbatical macht. Was das ist? Ja, das habe ich auch gefragt.

Sie kümmert sich dieses Jahr nur um sich, schaut was sie braucht um im Gleichgewicht zu sein und arbeitet dann daran. Das hört sich ja erstmal gut an und ich fragte genauer nach, denn ein Jahr ist lang, da kann man ja wunderschöne Dinge für sich tun.

Sie hatte wohl selbst gemerkt, dass ihre Wechselhaftigkeit anstrengend ist, sowohl für sie als auch für andere, und hatte ihm Rahmen einer Verhaltenstherapie versucht daran zu arbeiten. Mit der Verhaltenstherapie hatte es nicht so gut geklappt, denn danach kam sie zu dem Schluß, dass sie erstmal genau wissen müsse, warum sie sich denn so verhalte und erst danach könne sie sich wirklich ändern. Also hatte sie an die Verhaltens- eine Gesprächstherapie gehangen, und - als immer noch keine Änderung eintrat - war sie jetzt seit in paar Monaten in der klassischen Psychoanalyse.
Mein Gott, was für ein Programm, war meine erste Reaktion. Aber ich wollte nicht voreilig sein.

Na, genau darauf antwortete sie nicht. Geholfen hat es ihr wohl noch nicht so richtig, denn sie konnte all ihr Wissen über sich nicht in Verhaltensänderungen umsetzen. Stattdessen wühlte sie in ihrer Vergangenheit und blieb immer wieder in einzelnen Matschbergen stecken.

Und das war die Crux: das Wissen über Dinge, die ich erlebt habe, entbindet mich nicht von der Anstrengung, mein Verhalten zu ändern. Verhaltensänderung passiert nicht automatisch, sondern ist trotz allem Wissen ein gewollter Prozess voller Übungen, Rückschläge und wieder neuen Versuchen. Es besteht also keine Parallele zwischen Einsicht und Handeln, ich muss nicht das Warum verstehen, um das Was zu ändern.

Manchmal kann es helfen, eigene Strategien zu verstehen, zu wissen, warum sie in bestimmten Phasen sinnvoll waren und warum ich sie heute möglicherweise nicht mehr brauche. Dieses Wissen kann eine Unterstützung zur Verhaltensänderung sein, es ist aber keine Bedingung.

Es ist sinnvoller zu schauen, was genau mich an meinem Verhalten stört, wann genau ich mir selbst im Weg stehe, was die Auslöser dafür sind und wie ich mich gern verhalten würde.

Zu schauen wie ich ein Problem ändern kann, ist also viel zielführender als zu wissen, warum ich dieses Problem habe.

Charlotte hatte diesbezüglich schon viel gemacht: sie wusste, was sie an ihrem Verhalten störte, sie wusste sogar warum sie sich so verhielt - sie wusste nur nicht, wie sich stattdessen verhalten wollte. Das haben wir dann beim Kaffee besprochen... und auch, wo sie diese Verhaltensweisen üben kann....ich glaube, ihr Sabbatical hat heute eine leicht praktische Wende genommen.

Raus aus dem Analysieren, hin zum Tun. Denn Ändern hat mit Handeln zu tun.




Sonntag, 6. Dezember 2009

Jeder kann sich ändern.

Heute war ich mit einem Freund spazieren und wir haben über unser Jahr 2009 geredet. Seins war eher ruhig, konsolidierend, meins war voller Veränderungen und entsprechend aufregend und anstrengend.

Freund Dierk hatte das ein Jahr vorher und für mich war es schön zu sehen, wie sich die Dinge bei ihm entwickelt haben. Als er vorletztes Jahr durchgeschüttelt wurde, da war er oft pessimistisch, mutlos, ja manchmal richtig verbittert und neidisch auf die Menschen, denen es besser ging als ihm. Und heute? In sich ruhend, reflektierend, im hier und jetzt, er verändert Dinge, die er ändern kann, lässt aber auch das stehen, was er nicht ändern kann, beobachtet sich selbst in Situationen, in denen er nicht klar sieht - kurzum, er steht mitten im Leben und ist bei sich. Rückschläge werfen ihn nicht aus der Bahn, er weiss, was er ist und hat und das Schöne: er kann es schätzen.

Darin steckten heute 2 gute Nachrichten für mich: Nach jedem Sturm folgt auch wieder schönes Wetter.....und: Menschen können sich entwickeln.

Wenn sie wollen.








Samstag, 5. Dezember 2009

Der innere Kritiker.

Heute war ich mit einer Bekannten spazieren, die sehr unglücklich in ihrem neuen Job ist. Es ist der erste Job nach ihrem Studium und als sie damals anfing zu arbeiten, war sie ganz stolz, dass sie die Hürde Bewerbung, Assessment Center etc. genommen hatte. Nun nach einem dreiviertel Jahr fühlt sie sich ausgelaugt, hat abends keine Lust mehr rauszugehen und ist traurig, unzufrieden und unglücklich.

Wir sprachen über ihren Job, über ihre Aufgaben, über Veränderungsmöglichkeiten - alles brachte uns nicht weiter, denn es half ihr nicht, dass sie vielleicht nächstes Jahr in einen anderen Job wechseln könnte.
Der Kern des Problems war, dass sie sich selbst böse war, dass sie die Arbeit nicht gut fand, dass sie sich nicht mit ihren Aufgaben zufrieden war, dass sie es wagte, etwas anderes für sich zu verlangen.

Ich konnte ihren inneren, strengen Kritiker quasi vor mir sehen, wie er zu ihr sagte: "Stell dich nicht so an, sei froh, dass Du Arbeit hast, Arbeit muss nicht Spass machen, Arbeit muss Dich ernähren!" So in etwa sprach es in ihr, und natürlich kämpften da 2 Seelen in ihrer Brust: die eine, die sich einfach nicht wohl fühlt und die andere, die dafür kein Verständnis hat und auf Pflichterfüllung pocht.

So ein Kritiker kann uns das Leben ganz schön schwer machen, weil er so streng ist und immer wieder zu uns spricht. Er ist quasi stets da, flüstert uns seine strengen Botschaften ein, die vermeiden, dass wir unseren Bedürfnissen nachkommen. Nein, er sorgt dafür, dass wir klein bleiben und nicht für uns sorgen, weil wir nicht wirklich das tun, was wir eigentlich möchten.

Er ist auch für etwas gut: oft sorgt er Disziplin und für Verantwortungsbewusstsein. Schön wäre nur, beides zu haben: die Freiheit zu wählen, was ich für mich möchte und dabei fleißig, zuverlässig oder so etwas zu sein. Sprich, Selbstverwirklichung und Kritiker in Einklang bringen.

Meine Bekannte hat es für sich gelöst: sie wird weiterhin genauso zuverlässig wie sonst ihre Aufgaben erfüllen und wird ein Gespräch mit ihrem Chef führen, in dem sie die Aufgabenverteilung bespricht und ihre Wünsche äußern wird. Das Gespräch steht ihr bevor, aber sie wird es führen, da bin ich sicher.

Weil wir noch eine andere Stimme in ihr geweckt haben: die Anspruchsvolle, die für sie sorgt.
Und die wird jetzt - gemeinsam mit dem Kritiker - präsent sein und für ihr seelisches Gleichgewicht sorgen.




Freitag, 4. Dezember 2009

Die Kraft der inneren Bilder.

In Zeiten, in denen es stressig ist, versuche ich Ruhe hineinzubringen. Wenn die negativen Gedanken mich einholen und Befürchtungen und Sorgen Besitz von mir nehmen wollen, dann geht es für mich darum, diese Negativspirale zu stoppen. Ich führe mir vor Augen, was ich alles schon unternommen habe, um dem Stress entgegenzutreten. Pläne, Lösungen, eben alles, was ich mir schon dazu überlegt habe.

Wer solche Situationen kennt, weiss, dass die Sorgen und Befürchtungen trotzdem immer wieder hochkommen. Eigentlich sind sie aber völlig sinnlos, wenn ich mir schon Lösungsversuche überlegt habe. Sie ziehen mich nur runter, vergrößern den Stress und schränken mich in meiner Handlungsfähigkeit ein.

Deshalb arbeite ich den negativen Gedanken entgegen. Ich mache mir meine Lösungen bewusst und sage mir dann, dass ich nicht weiter daran denken möchte. Das klappt nicht immer. Wenn nicht, dann denke ich an andere Dinge, denn so kann ich mein Gehirn austricksen: man kann nicht 2 Gedanken auf einmal denken. Und das mache ich mir zunutze.
Ich rufe mir Situationen ins Bewusstsein, in denen ich auch Stress hatte und aus denen ich früher oder später herausgekommen bin. Wie es war, als es mir wieder gut ging, wie ich mich da gefühlt habe. Ich lasse diese Bilder vor meinem inneren Auge ablaufen und versuche mich in die dazugehörigen Gefühle hinein zu fühlen.

Wenn in einer solchen Situation meine aktuellen Sorgen in den Vordergrund kommen, dann lasse ich es nicht dazu kommen.
Ich nehme diese Sorgen wahr und sage mir aktiv, ja, das ist gerade meine Situation, aber jetzt denke ich an andere Dinge. Und dann gehe ich zurück zu dem Punkt, an dem ich vorher war, zu dem inneren Bild, dass ich zuletzt hatte. Und daraus schöpfe ich meine Hoffnung, denn in solch einem Moment wird mir klar, dass es nach einem Tief auch wieder ein Hoch geben wird.

Dieses Bewusstsein gibt mir Kraft, dass es auch diesmal so sein wird - und dann können die negativen Gedanken mich auch nicht mehr so erreichen und herunterziehen, denn sie haben durch die inneren Bilder an Wirkung verloren.





Donnerstag, 3. Dezember 2009

Loslassen.

Gerade ist es anstrengend. Es gab einschneidende Veränderungen in meinem Leben und dadurch sind viele Dinge zu regeln. Leider habe ich dieses Dinge nicht allein zu regeln, sondern muss mich abstimmen, einigen - und das alles möglichst un-emotional. Gar nicht so einfach.

Einige der Punkte, die ich regeln muss, empfinde ich als existentiell und daher sind sie mir sehr wichtig. Wenn ich das nicht ordentlich mache, werde ich die ganzen nächsten Monate, vielleicht Jahre, darunter leiden. (Das schreibe ich, um zu zeigen, wie emotional die Angelegenheit eigentlich ist und dass un-emotional sein eine ganz schön große Aufgabe ist.)

Gestern war ich emotional, und zwar sehr. Wütend, sprachlos, hilflos, niedergeschmettert. Meine erste Reaktion war agieren, machen, sichern......egal was es kostet, kämpfen, immer wieder meinen Part erklären, dafür eintreten, immer wieder, immer heftiger. Also stritt ich, weinte ich, meine Gedanken drehten sich im Kreis, ich war wirklich im Stress. Wie ein Tiger lief ich im Käfig hin und her, meine Gedanken flogen von rechts nach links und wieder zurück. Ich drehte mich Kreis, war im Strudel meiner negativen Emotionen gefangen und konnte keinen klaren Gedanken fassen.

Irgendwie beruhigte ich mich, konnte dann nachdenken und erstmal eine kurzfristige Lösung finden, die mich aber nicht grundsätzlich ruhiger stellte, da das Problem generell nicht gelöst war. Diese erste Lösung holte mich allerdings wieder etwas in die Realität zurück, ich verlor meine Panik - ich kam von 180 wieder auf Normalgeschwindigkeit hinunter.

Jetzt habe ich eine Nacht darüber geschlafen, habe mir überlegt, was ich tun kann, um das Problem zu lösen. Was ist mein Part an diesem Stress, was kann ich reingeben, um eine Lösung zu finden. Transparenz schaffen ist es in meinem Fall. Mit offenen Karten spielen und damit in die Vorlage gehen. Für diese Transparenz habe ich gerade gesorgt, jetzt gebe ich das Thema ab.

"Jetzt gebe ich es ab" heisst, dass ich nun abwarte, was von der Gegenseite kommt. Dass ich solange keine worst-case-Szenarien mehr erstelle und bis dahin mich auch nicht mehr über das Gestern aufrege. Ich habe mir noch ein paar Notfallstrategien überlegt, was mache ich, wenn.... aber da ich nicht weiss, was nun als Gegenvorschlag auf mich zukommt, lasse ich die solange liegen, bis ich etwas Konkretes vorliegen habe.

Ich kann mehr nicht tun. Deshalb lasse ich nun los, lasse es laufen bis wieder neue Fakten auf dem Tisch liegen. Erst dann werde ich weiterschauen und unter Umständen handeln. Bis dahin aber nehme ich alle Emotionen raus und sehe es ganz rational. Wenn Verwirrung droht, mache ich mir genau das bewußt - das habe ich getan, um das Problem jetzt zu lösen, das habe ich getan, um einen Beitrag zur Lösungsfindung zu leisten und das oder das tue ich, wenn wir keine zufriedenstellende Lösung finden werden.
Das tut gut. Ich habe konstruktiv gehandelt, kurzfristig etwas gelöst und eine langfristige Lösung vorbereitet.
Ich habe das beeinflusst, was ich beeinflussen kann - alles andere lasse ich jetzt, wo es hingehört. Und damit geht es mir heute wieder besser, damit bin ich wieder handlungsfähig, bin wieder klar.

Weil ich den Part getan habe, denn ich tun konnte und den Rest losgelassen habe.
Da schaue ich jetzt mal, was zurückkommt. Und erst dann geht es weiter.




Mittwoch, 2. Dezember 2009

Fünfe mal gerade sein lassen....

...Adventszeit gleich Schokozeit. Heute hat es mich voll erwischt. Es fing schon mit einem süßen Frühstück an, setzte sich mit vielen süßen Snacks über den Tag fort und gipfelt nun in einem schokoladensüßen Sofaabend.

Normalerweise mache ich jeden Abend Gymnastik - neben anderen Vorteilen ist ein großer, dass danach der süße Hunger komplett verschwunden ist. Heute wurde der nur Gedanke an die Hantel schon mit einem herzhaften Biss in ein Marzipanstückchen beantwortet. Keine Chance, heute wird geschlemmt.

Und das macht, hhm, Spass. Es schmeckt, tut gut und ich genieße es. Morgen ist wieder alles anders, aber heute....ist ein Stück Schokolade kein Stück Schokolade!


Dienstag, 1. Dezember 2009

Die Familie - mein emotionaler Mülleimer?

Kalt ist es heute, richtig kalt. Da war es urgemütlich zuhause, mit einem Tee und einer Freundin, die kurz vorbeischaute. Eigentlich, wenn da nicht der Krach mit Otis gewesen wäre. Sie platzte gerade in einen Streit, den ich mit Otis hatte, hinein. Egal, um was es ging, Otis und ich, wir pflaumten uns richtig an, es war mittellaut und wir waren beide sichtlich genervt. Otis verschwand sauer in sein Zimmer, Iris und ich gingen in die Küche, ich schnaufte irgendwas wie, das hat mir jetzt noch gefehlt....

Iris war total überrascht. So hatte sie mich noch nie gesehen, sagte auch, dass sie immer gedacht habe, dass ich nie laut werden würde, weil ich immer so nett und entspannt wirken würde. Klar, draußen gibt es ja auch nicht soviel Gründe mich so aufzuregen, aber zum Nachdenken brachte mich ihr Satz trotzdem.

Wie verhalte ich mich denn "draußen" außerhalb der 4 Wände und wie innerhalb?
Lasse ich mich zuhause gehen, nehme ich mich draußen zusammen? Bin ich mit Freunden vorsichtiger, wenn mir etwas nicht passt, als mit meinen Lieben? Behandele ich Freunde besser und respektvoller als meine Lieben?

Ja. Es traf mich, zugeben zu müssen, dass ich die, die ich am meisten liebe, am schlechtesten behandele. Klar, wir sind vertraut, da kann ich mich auch mal gehen lassen - aber das heisst ja nicht, dass ich mit ihnen Kontroversen grundsätzlich anders austragen muss als mit Menschen, die mir nicht so nahe stehen.
Warum kann ich meinen Lieben gegenüber nicht genauso respektvoll bleiben, wie ich es mit Menschen tue, die mir nicht so nahe stehen?
Es gibt keinen erklärbaren Grund, im Gegenteil, ich sollte zu meinen Liebsten mindestens so wertschätzend sein wie zu allen anderen draußen, denn sie sind meine Basis, mein Leben, meine Liebe.

Und noch was brachte mich zum Nachdenken: welches ist denn mein wahres Ich, das Nette draußen oder die Frau mit den vielen Gesichtern drinnen? Spiele ich draußen eine Rolle, damit ich akzeptiert werde (und mein Bild aufrecht erhalte) während ich drinnen, dort, wo ich mich vermeintlich sicher fühle, so bin wie ich wirklich bin?
Bin ich wirklich so? Was ist denn meins?

Ich bin wahrscheinlich beides. Aber dann möchte ich es auch leben. Drinnen und draußen.
Authentizität soll meins sein und deshalb werde ich jetzt darauf achten, dass ich zu meinen Lieben mindestens so respektvoll bin wie zu meinen Freunden und dass ich umgekehrt draußen aber auch zeige, wie es wirklich in mir aussieht.

Na, da werden einige überrascht sein....



Montag, 30. November 2009

Pass auf, was Du sagst!

Nach einem ruhigen Morgen und einem schönen Mittagsschlaf von Püppi, in dem ich ganz viel am Rechner geschafft habe, waren wir mit einem Freund zum Spaziergang verabredet. Frohgemut bin ich losgestapft, die Laune war gut, weil bis jetzt alles glatt gelaufen und der Tag mein Freund war. Wir trafen Freund Dirk im Park und zusammen ging es weiter. Dirk war zu Besuch in der Stadt, hatte 2 Stunden Zeit und ich freute mich, dass wir diese kurze Zeit zusammen verbringen konnten.

Dirk ist nämlich sehr intensiv, wenn er erzählt, kann ich mitfühlen, was er da sagt und es macht Spaß ihm zuzuhören. Heute jedoch war es anders. Er war irgendwie gestresst, wie unter Druck und er erzählte nichts von schönen Erlebnissen, sondern regte sich nur über alles mögliche auf. Jeder regt sich mal auf, aber das, was er da von sich gab, war schlechte Energie pur.

Er sagte in jedem 2. Satz "Ich hasse"....er betitelte Personen, über die er sprach als Vollidiot und mit Wörtern, die ich gar nicht aufschreiben mag. Er pauschalisierte, alle machten das immer so, alle waren total daneben und auffallend war, dass es immer die anderen waren, die Bockmist gebaut hatten. Ehe ich wußte, was mir geschah, hatte er mich voll in seine negative Stimmung hineingezogen. Meine gute Laune war weg, mein Leichtigkeit einer Schwere gewichen, die mich richtig runterzog. Ich versuchte noch, seine Erzählungen abzuschwächen, aber ich hatte keine Chance.
Er redete und redete und redete und versprühte eine Aggressivität, die ihresgleichen sucht.

Ich konnte es nicht mehr aushalten und schritt ein. Ich fragte ihn, ob er selbst merke, was da gerade bei ihm passiere - er verneinte überrascht. Ich erklärte ihm , dass ich Leidenschaft wunderbar finde, aber nicht, wenn sie völlig unkontrolliert ins Negative geht und alles und jeder in einer derart gewalttätigen Kommunikation abgekanzelt wird. Gewalttätige Kommunikation - ich? Er wusste gar nicht, was ich meinte.

"Ich hasse" ist ein unglaublich harter Ausdruck, was muss normalerweise passieren bis ich hasse? Ich kann es mir für mich gar nicht vorstellen, ich hasse nichts. Nichts weckt in meinem Leben so heftige Gefühle in mir, dass ich diesen Ausdruck gebrauche, nichts hat eine solche negative Macht über mich, dass ich ihm so ein intensives Gefühl widme. Es gibt keine Steigerung zu "Ich hasse" - ich fragte Dirk, ob wirklich alles, was er bis jetzt mit "ich hasse" tituliert hat, nicht mehr steigerungsfähig wäre. Er schwächte ab, nein, das wäre doch nur so ein Ausdruck, - und ich intervenierte. Das ist nicht nur so ein Ausdruck, das ist ein gesprochenes Wort. Und gesprochenes Wort gilt.

Jedes Wort, das ich ausspreche, ist in der Welt - mit einer positiven oder negativen Botschaft. Und jede Botschaft, ob positiv oder negativ, macht etwas mit mir, mit meinem Zuhörer, mit meiner Umwelt. Wer so spricht, hat einen hohen Aggressionspegel und hält sich selbst in einem negativen Grundzustand. Sämtliche Gefühle, Wahrnehmungen sind durch die Äußerungen negativ eingefärbt. Eine objektive Wahrnehmung ist mit dieser Grundstimmung schlichtweg nicht möglich.
Das ist die eine Seite, der Sprecher zieht sich selbst damit hinunter. Die andere Seite ist, dass er seinen Gesprächspartner dabei mitnimmt, es kostet enorme Kraft, sich solch eine Negativ-Kanonade zu widersetzen.

Dirk sprach mit Schimpfwörtern über andere Menschen, kanzelte sie ab und es war egal, ob er sie kannte oder ob sie nur eine Rolle in der Gesamtgeschichte spielten. Ich fragte ihn, warum er den Menschen so schlecht gesonnen sein - was haben die ihm alle getan, dass er so schlecht über sie sprechen muss?
Erst verstand er gar nicht, was ich meinte, aber als ich Beispiele nannte, wollte er wieder abtun als, "Du weisst doch, wie ich bin."
Nein, ich weiss nicht, wie Du bist, denn diese Art der Geringschätzung anderer Menschen ist mir total fremd.

Wenn ich so negativ über andere spreche, dann projeziere ich meine eigene Unzufriedenheit in diese Menschen hinein. Es gibt keinen anderen Grund per se so schlecht über Menschen zu sprechen. Wenn ich in mir ruhe, mit mir im Reinen bin, dann kann ich mit dem, was andere tun oder sagen, gelassen umgehen. Nur wenig kann mich dann so berühren, dass ich meinen Respekt und meine Wertschätzung verliere. Ich kann Dinge von anderen nicht gut finden, aber es geht nicht, dass ich einen Menschen pauschal verurteile.

Wenn ich bei mir bin, dann nehme ich Dinge, die andere tun, nicht persönlich. Im Gegenteil, ich bin den Menschen wohlgesonnen, habe eine wohlwollende, wertschätzende Grundhaltung. Ich kann hinterfragen, warum derjenige sich so verhält und auch wenn ich es als falsch erachte, verurteile ich ihn nicht als Menschen, sondern kritisiere lediglich seine Taten.

Dirk wollte das nicht hören, er wollte alle Schuld auf die anderen abschieben - die waren blöd, die machten alles falsch und er hasste das. Auf meine Frage, wo er in der ganzen Geschichte eigentlich sei, was seine Verantwortung, was sein Beitrag außer Schimpfen sei, sagte er nichts. Auf meine Frage, ob er mal überlegt habe, warum die anderen sich so verhalten, antwortete er auch nicht...klar, ist ja auch leichter, darüber zu schimpfen anstatt zu schauen, warum ich mich darüber so aufrege.

Die gute Nachricht, ist, dass er aufhörte so zu sprechen. Ich merkte, dass er begann, auf seine Wortwahl zu achten, "hassen" kam in dem ganzen Gespräch nicht mehr vor und ich freute mich, nicht mehr seiner negativen Energie ausgesetzt zu sein.

Als wir uns trennten, schien er auch etwas entspannter. Seit einer Stunde nicht gehasst, geschimpft, verurteilt. Das ist doch wie Urlaub von der Aggressivität. Und fühlte sich offensichtlich besser an. Für uns beide. Für ihn als Sprecher, für mich als Gesprächspartnerin.












Sonntag, 29. November 2009

Alles zu seiner Zeit.

Advent, Advent...da ist er - noch 4 Wochen, dann ist Weihnachten. Ich liebe diese Zeit, die Strassen sehen wunderschön aus, alles ist beleuchtet und dekoriert und noch ist zwar hektisches Geschenkesuche angesagt, aber nie steht die Zeit so still wie die Tage nach Weihnachten.

Die Tage nach Weihnachten sind ruhig, oft arbeitsfrei und nach-besinnlich. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass das geht - dass dann der Stress und das "Müssen" nicht so ausgeprägt sind, alles läuft einen Gang langsamer. Geht doch...könnte ich jetzt sagen, aber 3 Tage im Jahr sind natürlich viel zu wenig.

Heute habe ich mich auch konzentrieren müssen, im niedrigen Gang zu bleiben, aber es ging:

Ich merkte, wie ich anfing beim Spaziergang die Woche zu planen, Briefe im Kopf vorzuformulieren und Gespräche vorzubereiten. Ganz schnell war ich mittendrin im Business. Die Natur, das Drumherum, all das nahm ich gar nicht mehr war vor lauter Planen.
Ich wollte das nicht, es ist Sonntag, ich wollte frei sein im Kopf, wollte an nichts ausser Advent, Spiele, Spaß und Freude denken. Das war dann aber erstmal schwer wieder zurückzufinden, einige hartnäckige Gedanken hielten sich wacker und kamen immer wieder hoch.
Dann dachte ich mir: Wenn ich jetzt bei Freunden zum Adventskaffee wäre und in Gespräche versunken, dann könnte ich auch nicht vorarbeiten - mein Spaziergang ist aber genauso wichtig und ich möchte ihm genauso Zeit und Raum einräumen, was allerdings bedeutet, auch hier nicht vorzuarbeiten. Dieser Gedanke hat mir geholfen, ich konnte die Planungen vertagen und habe tatsächlich heute nichts getan. Das wartet nun alles morgen auf mich. Was ok ist, denn alles zu seiner Zeit und morgen möchte ich ja wieder loslegen.

Heute war die Zeit loszulassen, zu entspannen und für andere Dinge. Und das tat gut.




Samstag, 28. November 2009

Perfektionismus kann nur zu Enttäuschung führen.

Morgen ist der 1. Advent - das heisst, Geburtstagsdekoration weg und Weihnachtsdekoration hervor geholt! Ich lasse es langsam angehen, find es aber schön, den Balkon bzw. das Balkongitter ein wenig zum Glitzern zu bringen. Gesagt, getan, 2 Lichterketten habe ich herausgeholt, um diese um das Geländer zu wickeln.

Tja, und dann ging es los: sind da rechts mehr Lämpchen als links? Hängen die in der Mitte nicht weiter runter als die anderen? 5 sind kaputt, die Lichterkette kann ich doch so nicht nehmen, erst muss ich die 5 Lichter austauschen und dann kann ich sie anbringen... so ging das in meinem Kopf hin und her und ich schob und steckte, nur um die Lichterketten möglichst gleichmäßig, sprich perfekt, anzubringen.

Irgendwann merkte ich, dass es mich begann zu nerven. Blöde Lichterketten, wer hat das System bloß erfunden, so kann das doch gar nicht gehen.......und dann sagte ich mir STOP!

Das Ziel ist, dass ich das vorweihnachtliche Gefühl genieße, das wir eine weihnachtliche Beleuchtung am Balkon haben - dass es also Spaß macht, die Adventszeit mit den ersten Dekorationen willkommen zu heißen. Es ist doch völlig egal, ob rechts 14 und links 16 Lämpchen brennen.... es geht doch um das Machen und dass es schön aussieht, es geht doch nicht darum, es perfekt zu machen. Also ließ ich es so, schaute nach einer halben Stunde noch mal mit neutralerem Blick auf mein Werk - und siehe da, ein bißchen habe ich noch verändert, aber im Grunde war es ok - und ich fand es schön, freute mich über das Glitzern so wie es war.

Denn ich habe gelernt: ich kann nicht immer 100% bringen. Wenn ich das von mir erwarte, ist das erstens wirklichkeitsfremd und zweitens bringe ich mich selbst gedanklich in eine Negativpirale: Selbstkritik, Unzufriedenheit und Groll gegen mich selbst sind das Ergebnis. Perfektionismus baut Stress und Ängste auf, stellt Konkurrenzsituationen zu Mitmenschen her und macht den, der versucht immer 100% zu bringen, schlicht kaputt.

Das Tun macht so keinen Spass, getrieben davon es perfekt zu machen, verderbe ich mir selbst die Freude an der Arbeit und das Ergebnis kann ich auch nicht genießen, weil ich bestimmt noch etwas finde, was nicht perfekt ist.

Ich sage mir immer, wenn ich merke, dass ich in die Perfektionsfalle tappe, dass mir die Arbeit Spass machen soll, denn: egal, was ich tue, ich möchte es gern tun. Wenn ich merke, dass ich mich unter Stress setze, dann unterbreche ich mein Tun und schaue von außen, wie ich mir selbst Stress mache und welche unschönen Gefühle ich in mir produziere. Danach kann ich - wie eben - entspannter weitermachen und großzügiger mit dem Ergebnis umgehen, weil nicht nur das im Fokus steht, sondern schon der Weg dahin.

Und jetzt schaue ich mal, wie ich die nächsten weihnachtlichen Akzente setzen kann.... mit schöner Musik und leckeren Weihnachtsplätzchen.....





Freitag, 27. November 2009

Erst klären, dann ändern.

Heute war ein Weihnachtsbasar in Otis Schule, er war ganz aufgeregt und hatte Verkaufsdienst - ich erkannte ihn gar nicht wieder, so aktiv pries er die Bastelsachen an.

Ich freue mich schon sehr auf das Wochenende, weil ich verabredet bin und 2 Menschen treffen werde, die ich lange nicht gesehen habe. Die eine habe ich schon kurz gesprochen, da scheint Veränderung im Busch zu sein, bei der anderen bin ich mal gespannt.

Erstere ist schon seit 14 Jahren in ihrem Job an derselben Arbeitsstelle, sie liebt das auch, aber heute habe ich ein wenig Unzufriedenheit herausgehört. Sie wolle sich jetzt verändern, einfach mal schauen, was der Markt so hergibt.... ich wurde hellhörig, wieso will sie das denn, wenn sie das liebt, was sie tut?
Sie erklärte mir, dass sie jetzt noch mal die Chance habe zu wechseln, dass sie einfach noch mal etwas Neues erleben wolle, dass sie gewappnet sein wolle, wenn ein neuer Chef käme....also eigentlich verständliche Gründe, wenn ich nicht gewusst hätte, dass sie ihren Job dort, wo sie jetzt ist, gerne mag. Auf mein Nachfragen kam dann auch heraus, dass einiges gerade nicht gut läuft, sie gibt und strengt sich an und kümmert sich, dass die Arbeit gut gemacht wird und die anderen schätzen das gar nicht, im Gegenteil, sie greifen immer wieder auf sie zu.
Aha.

Da liegt der Grund für den Veränderungswunsch nicht in ihr, sondern an Dingen, die schlecht laufen. Das ist in der Regel kein guter Grund zu gehen, denn das wird sie an einem anderen Arbeitsplatz schnell wieder einholen - die Wahrscheinlichkeit, dass es da genauso wird, ist sehr hoch. Denn der Grund dafür liegt in ihr und nicht an den Kollegen. Die nutzen nur aus, was sie ihnen bietet. Und das würden alle tun, egal wo.

Und dem Ausnutzen eine Grenze setzen, darum geht es scheinbar. Ein klares NEIN auszusprechen, nicht für alles die Verantwortung zu übernehmen, sich abzugrenzen und zu schauen, wo die Arbeit anfängt sie auszulaugen, schauen, wo (und wie) sie delegieren kann anstatt noch mehr (für die anderen) zu übernehmen, das soll wohl ihre Aufgabe sein.

Das heisst: sie kann an sich arbeiten und sich selbst verändern, dann wird sich die Situation im Job auch verändern. Und dann kann sie schauen, ob sie wirklich noch weg oder etwas anderes will. Aber so nach so vielen Jahren jetzt zu gehen, das würde immer ein schales Gefühl nach sich ziehen - es wäre im Prinzip eine Flucht vor den Problemen, die sich gerade ergeben haben.

Erst klären und entspannt Dinge verändern. Nur so fühle ich mich im nach hinein gut damit, alles andere verursacht ein unwohles Gefühl, weil ich sonst Dinge ungeklärt hinter mir lassen würde. Ich würde dann nämlich weder die Dinge noch mich ändern und damit wertvolle Entwicklungschancen vergeben.

Das ist zwar der erstmal unbequemere Weg, aber langfristig der viel nachhaltigere.....und der, der mit viel besser tut!





Donnerstag, 26. November 2009

Freundesvielfalt

Pippa hat Geburtstag, wir haben mit großen und kleinen Freunden schön gefeiert und nachdem alle anderen müde eingeschlafen sind, hat Pippa nun auch begriffen, dass sie nichts verpasst und einschlafen kann.....das war ein schöner Tag, hat Spass gemacht und war auch für mich als Mutter sehr rührend.

Große und kleine Freunde waren heute da. Die großen Freunde kamen mehr durch mich und sie kannten sich fast alle vorher nicht, weil sie aus unterschiedlichen Lebensbereichen kommen. Ich finde es immer spannend, diese verschiedenen Typen dann zusammen zu sehen. Heute fiel mir das sehr auf, wir haben fast 20 Jahre Altersunterschied versammelt (nur die Großen), ganz verschiedene Lebenskonzepte trafen aufeinander und verschiedene Stile sowieso. Von independent über intellektuell bis hin zu bodenständig, traditionell reichte die Palette und wenn sie sich auch im normalen Leben draußen nicht treffen würden, hier entstanden spannende Gespräche und überraschende Berührungspunkte.

Ich habe unsere Gäste beobachtet und überlegt, wer für was in meinem Leben steht. Denn ich bin mit allen eher einzeln befreundet und jede 2er Kombination bringt andere Facetten in mein Leben.

Da war eine Freundin, die ich sehr klar finde und mit der ich auch sehr klar umgehe. Sie zeigt mir immer wieder auf, dass das direkte Benennen von Dingen "die Luft sauber" hält. Da war die andere, die Dinge ständig hinterfragt und mit der ich diskutiere, was das Zeug hält. Auch sehr bereichernd, weil es Perspektiven öffnet und den Horizont erweitert. Eine steht für ganz traditionelle Werte, was auf mich sehr bewahrend wirkt und den Boden unter meinen Füßen fester macht. Wieder eine andere plant und macht und will am liebsten morgen mit mir 10 Dinge starten, auch daraus entstehen manchmal fruchtbare Ideen, die ich in meinem Leben umsetzen kann....

Fand ich schön zu sehen, aus welche Quellen sich meine Beziehungen nähren... für was ich bei denen wohl stehe?

Mittwoch, 25. November 2009

Ich führe Regie.

Püppi wird morgen 1 Jahr alt, es ist alles dekoriert, das Schaukelpferdchen wartet schon auf die Geburtstagsmaus und ich lasse das letzte Jahr seit ihrer Geburt noch mal Revue passieren. Es war ein aufregendes Jahr, es ist viel passiert, es ging schnell um und war anstrengend und war schön. Wenn ich heute so zurückschaue, frage ich mich, wie ich mich in dem letzten Jahr entwickelt habe - was ist bei mir passiert, kann es so weitergehen oder muss ich etwas ändern?

Die Frage habe ich heute mit einem Freund besprochen, der genau seit diesem einen Jahr in einer Beziehung steckt, die äußerst anstrengend ist. Letztes Jahr, kurz vor Pippas Geburt, hatte er sie gerade kennengelernt, es fing schon mit der Einschränkung "sie ist wahrscheinlich gar nichts für mich" an und als ich ihn heute traf, fragte ich ihn, wie es ihm im letzten Jahr ergangen sein, was heute anders sei als vor einem Jahr. Er zögerte, dachte nach und ich sah ihm an, dass er ziemlich entsetzt war: es war alles so wie heute vor einem Jahr, er lebt seitdem in dieser Beziehung und sagte auch heute wieder "sie ist wahrscheinlich gar nichts für mich"! Als er das aussprach, fiel ihm selbst auf, welche Stagnation darin steckte und wir schauten gemeinsam, warum das ist.

Die beiden scheinen sehr unterschiedlich zu sein, er möchte am liebsten montags den Fernsehfilm der Woche schauen, dienstags allein sein und mittwochs mit ihr Backgammon spielen...sie möchte ausgehen, tanzen, in die Oper, in Konzerte und findet, 2 Abende in der Woche zuhause zu verbringen ist fast schon zuviel. Das ist für ihn anstrengend, das mag er nicht, das überfordert ihn - aber warum macht er das mit? "Ach, man muss ja auch mal was machen....das ist schon ganz ok", das war seine Antwort auf meine Frage nach dem Warum.

Ich kenne ihn und weiss, dass er Dinge lange aushalten kann, weil er keine Veränderungen möchte und auch nicht allein sein will. Ja, das stimmt, bestätigte er mir... aber er ergänzte sich dann und erzählte mir, dass sein Vater auch schon so war und seine Mutter zuhause auch immer die treibende Kraft gewesen sei, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Mein Freund kannte das Muster also, er hatte es schon mal erlebt und gesehen, wie man darauf reagiert: mal abweisend, mal aber auch mitmachend, damit die Frau nicht geht.

Das machte er ja nun auch artig wieder - ich fragte ihn, was er mir denn raten würde, wenn er so ein Verhalten bei mir beobachten würde. Er sagte, ich müsse natürlich schauen, ob das, was mein Partner will, zu meinen Wünsche passt und wenn nicht, dann müsse ich gehen und weiterschauen, denn so könnte ich ja nicht glücklich werden. Meine Eltern hätten es mir doch vorgemacht, wie es nicht geht hätte ich doch gesehen.....!

Warum nur lebt er das? Warum wiederholt er dieses Muster, warum hat er überhaupt eine Freundin, die seiner Mutter so ähnlich ist?

Bei meinem Freund spielen 2 Gründe eine Rolle: zum einen möchte er nicht allein sein und zum anderen hat er sich eine Beziehung gesucht, die für ihn vertrautes Gefilde darstellt. Diesen Umgang kennt er, der macht ihn nicht glücklich, aber damit kann er umgehen, das hat er zuhause gesehen und gelernt. Er lebt quasi das Leben seiner Eltern fort, das, was ihm seine Eltern vorgelebt und vermittelt haben. "Frau und Mann sind nun mal verschieden, einer muss immer in den sauren Apfel beißen"befolgt er auch in seiner Beziehung. Unbewusst natürlich, bis heute.

"Ja und was mache ich jetzt?" Er war ganz entsetzt, denn das bloße Wissen half ihm natürlich auch nicht weiter.

Wenn ich merke, dass ich Botschaften, Glaubenssätze oder Muster übernommen habe bzw. nachlebe, dann schaue ich sie mir genau an und gucke zuallererst, wer was gemacht oder gesagt hat und inwiefern ich diese Botschaften/Muster heute noch artig befolge bzw. nachlebe. Dann schaue ich, was ich tun würde, wenn ich sie nicht so gelernt hätte. Finde ich sie gut, möchte ich sie leben oder kann ich andere, meine eigenen Verhaltensweisen entwickeln? Wenn ich ein Kind hätte, würde ich diese Botschaften oder Muster meinem Kind vermitteln? Wenn nicht, was dann?

Mein Freund sagte, nie und nimmer solle sein Kind das so machen - und bemerkte, dass er dann auch für sich anders handeln müsse, wenn er seine Bedürfnisse in einer Beziehung befriedigen und authentisch leben möchte.

Ich hoffe und glaube , wenn wir uns in einem Jahr wieder darüber unterhalten, wird er mir nicht mehr dasselbe erzählen... .ich bin sehr gespannt!