Die Frage habe ich heute mit einem Freund besprochen, der genau seit diesem einen Jahr in einer Beziehung steckt, die äußerst anstrengend ist. Letztes Jahr, kurz vor Pippas Geburt, hatte er sie gerade kennengelernt, es fing schon mit der Einschränkung "sie ist wahrscheinlich gar nichts für mich" an und als ich ihn heute traf, fragte ich ihn, wie es ihm im letzten Jahr ergangen sein, was heute anders sei als vor einem Jahr. Er zögerte, dachte nach und ich sah ihm an, dass er ziemlich entsetzt war: es war alles so wie heute vor einem Jahr, er lebt seitdem in dieser Beziehung und sagte auch heute wieder "sie ist wahrscheinlich gar nichts für mich"! Als er das aussprach, fiel ihm selbst auf, welche Stagnation darin steckte und wir schauten gemeinsam, warum das ist.
Die beiden scheinen sehr unterschiedlich zu sein, er möchte am liebsten montags den Fernsehfilm der Woche schauen, dienstags allein sein und mittwochs mit ihr Backgammon spielen...sie möchte ausgehen, tanzen, in die Oper, in Konzerte und findet, 2 Abende in der Woche zuhause zu verbringen ist fast schon zuviel. Das ist für ihn anstrengend, das mag er nicht, das überfordert ihn - aber warum macht er das mit? "Ach, man muss ja auch mal was machen....das ist schon ganz ok", das war seine Antwort auf meine Frage nach dem Warum.
Ich kenne ihn und weiss, dass er Dinge lange aushalten kann, weil er keine Veränderungen möchte und auch nicht allein sein will. Ja, das stimmt, bestätigte er mir... aber er ergänzte sich dann und erzählte mir, dass sein Vater auch schon so war und seine Mutter zuhause auch immer die treibende Kraft gewesen sei, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Mein Freund kannte das Muster also, er hatte es schon mal erlebt und gesehen, wie man darauf reagiert: mal abweisend, mal aber auch mitmachend, damit die Frau nicht geht.
Das machte er ja nun auch artig wieder - ich fragte ihn, was er mir denn raten würde, wenn er so ein Verhalten bei mir beobachten würde. Er sagte, ich müsse natürlich schauen, ob das, was mein Partner will, zu meinen Wünsche passt und wenn nicht, dann müsse ich gehen und weiterschauen, denn so könnte ich ja nicht glücklich werden. Meine Eltern hätten es mir doch vorgemacht, wie es nicht geht hätte ich doch gesehen.....!
Warum nur lebt er das? Warum wiederholt er dieses Muster, warum hat er überhaupt eine Freundin, die seiner Mutter so ähnlich ist?
Bei meinem Freund spielen 2 Gründe eine Rolle: zum einen möchte er nicht allein sein und zum anderen hat er sich eine Beziehung gesucht, die für ihn vertrautes Gefilde darstellt. Diesen Umgang kennt er, der macht ihn nicht glücklich, aber damit kann er umgehen, das hat er zuhause gesehen und gelernt. Er lebt quasi das Leben seiner Eltern fort, das, was ihm seine Eltern vorgelebt und vermittelt haben. "Frau und Mann sind nun mal verschieden, einer muss immer in den sauren Apfel beißen"befolgt er auch in seiner Beziehung. Unbewusst natürlich, bis heute.
"Ja und was mache ich jetzt?" Er war ganz entsetzt, denn das bloße Wissen half ihm natürlich auch nicht weiter.
Wenn ich merke, dass ich Botschaften, Glaubenssätze oder Muster übernommen habe bzw. nachlebe, dann schaue ich sie mir genau an und gucke zuallererst, wer was gemacht oder gesagt hat und inwiefern ich diese Botschaften/Muster heute noch artig befolge bzw. nachlebe. Dann schaue ich, was ich tun würde, wenn ich sie nicht so gelernt hätte. Finde ich sie gut, möchte ich sie leben oder kann ich andere, meine eigenen Verhaltensweisen entwickeln? Wenn ich ein Kind hätte, würde ich diese Botschaften oder Muster meinem Kind vermitteln? Wenn nicht, was dann?
Mein Freund sagte, nie und nimmer solle sein Kind das so machen - und bemerkte, dass er dann auch für sich anders handeln müsse, wenn er seine Bedürfnisse in einer Beziehung befriedigen und authentisch leben möchte.
Ich hoffe und glaube , wenn wir uns in einem Jahr wieder darüber unterhalten, wird er mir nicht mehr dasselbe erzählen... .ich bin sehr gespannt!
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