Das war nämlich ein Nebenkriegsschauplatz, diese Aufregung über mich selbst. Den habe ich jetzt geschlossen: es ist so und darf so sein und nun kann ich schauen, was ich damit mache. Fühlt sich rund an!
Sonntag, 8. November 2009
Ich darf mich aufregen.
Sonntag. Wir waren spazieren, wunderschön im herbstlichen Wald, die Farben, die Kälte, überall Blätter, das war schön. Bei dem Rundgang haben wir Freunde getroffen, die ich lange nicht gesehen habe und spontan gingen wir einen Kaffee trinken, um ein bißchen zu reden. Wir erzählten uns kurz, was so in der Vergangenheit passiert war und ich erzählte von einem sehr sehr unerfreulichen beruflichen Ereignis, was ein paar Wochen zurückliegt, aber noch nicht ganz geklärt ist. Als ich davon erzählte, bemerkte ich, dass mich die Enttäuschung und Verletzung darüber wieder voll erwischte. Trotz, dass es schon etwas her war, stand ich noch nicht über den Dingen. Das war an meiner Stimme zu merken, die leicht zitterte, an meinem Blick, der verkniffener wurde, ein Brodeln im Bauch kam dazu....meine Freundin merkte das auch und sprach mich darauf an. Ich stimmte ihr zu und begann mich dann über mich aufzuregen, dass mich diese Sache immer noch so mitnimmt, eigentlich müßte ich das doch langsam verarbeitet haben, habe das doch alles schon rational durchdacht, total doof von mir, dass ich immer noch so verletzt darauf reagiere - ich regte mich richtig über mich auf. Der Mann meiner Freundin erwiderte daraufhin, dass er das völlig ok findet, dass ich mich noch darüber aufrege und verletzt bin, sowas würde ja auch seine Zeit brauchen, um verarbeitet zu werden. Damit konnte ich erstmal nichts anfangen, ich hätte mir gewünscht, abgeklärter damit umgehen zu können und das Ganze tatsächlich rational zu betrachten. Wir sprachen dann über andere Dinge und nach einer Zeit gingen wir und trennten uns. Da habe ich dann noch mal über die Sache nachgedacht, ohne soviel Emotionen und "ein bißchen von oben". Ich sah, dass sowohl Trauer als auch Wut über diese Begebenheit immer noch in mir waren. Ich schaute mir dann noch mal an, was passiert war und bewertete es - war es wirklich so heftig oder bildete ich mir das ein, was war mir schon Vergleichbares passiert und wie habe ich darauf reagiert? Ich stellte fest, dass es tatsächlich ein "Hammer" war und das meine Emotionen so stark sie auch sind, berechtigt sind. Und weil es so heftig war, darf ich das auch immer noch so wahrnehmen, das scheint ja eine Art der Verarbeitung zu sein mit jedes Mal neuen Gedanken dazu. Interessant war, dass ich durch mein Nachdenken darüber ruhiger wurde. Ich dachte intensiv über diese Begebenheit nach, ordnete sie für mich ein und betrachtete auch die Gefühle, die sie mit sich brachte. Und damit einhergehend überlegte ich, was mir gut tun würde: Wie könnte ich das verarbeiten, jetzt beginnend? Damit hatte ich 2 Nüsse geknackt: ich kam mit mir ein Stück weiter und erkannte wieder etwas besser, was gut für mich wäre - und ich hörte auf mich darüber aufzuregen, dass mich das immer noch belastet. Ich hörte auf streng mit mir zu sein und von mir zu erwarten auch dieses Ereignis mal wieder "schnell in den Griff zu kriegen". Und allein damit bekam ich es schon besser in den Griff, weil ich es und mich so akzeptierte wie es gerade ist. Das befreite mich total von dem Doppeldruck, zum einen nicht so empfindlich zu sein und zum anderen vermeintlich souveräner mit Problemen umzugehen.
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