Freitag, 6. November 2009

Einmal am Tag Kind sein.

Katja hat in ihrem Kommentar beschrieben, wie sie es schafft, Distanz zu gewinnen, sich dem Sog der Gesellschaft, einer Branche oder einer Situation zu entziehen und bei sich zu bleiben. Dieses sich bewusst aus einer Situation nehmen und das Ganze quasi von außen zu betrachten ist tatsächlich phantastisch dazu geeignet, wirklich zu sehen, was passiert und sich nicht in ein Geschehen hinein ziehen zu lassen.
Dazu fällt mir noch eine andere Methode ein, mit der ich mich ab und zu aus dem Alltag, dem Ernst des Tages oder dem Ernst des Jobs entziehe. Nur kurz natürlich, um einmal Luft zu schnappen, Kraft zu tanken, inne zu halten. Ich versuche, einmal am Tag die Welt mit Kindesaugen zu sehen, zu erleben oder zu berühren. Wie das geht? Heute war ich in einem Café und habe am Nebentisch eine Auseinandersetzung zwischen einem Paar verfolgt. Er sagte ja, sie sagte nein, er sagte hü, sie sagte hott. Die beiden redeten komplett aneinander vorbei, jeder darauf bedacht, seine Position zu vertreten....ich bekam das leider mit und hörte einfach mal ganz neutral zu, ohne Berechnung, ohne Deutung, einfach so. Warum hört eigentlich keiner von den beiden, was der andere sagt? So können die doch gar nicht zu einer Lösung kommen.....Hätte ich als erwachsene Frau zugehört, hätte ich möglicherweise Position bezogen, weil ich aus Erfahrung das eine oder andere wieder erkannt hätte. Aber mit Kindesaugen war es wie ein Kinderstreit, du hast gesagt, nein, du hast gesagt...bis einer heult....am liebsten hätte ich sie am Rock gezogen und gesagt, komm, hör auf, lass uns weiterspielen...
Oder ich ging spazieren und kam einer Riesenkastanie vorbei. 2 Kinder suchten noch nach Kastanien, fanden einen Ast, rochen an den Blättern - das tat ich auch, ich fühlte die Blätter und die Nässe an dem rauen Ast. Ich berührte den Stamm mit seiner groben Rinde und es war, als wenn ich zum ersten Mal wirklich einen Baum erfühle, ganz bewusst - toll, mitten in der Stadt ein Baum, ein ganz normaler Baum, ganz neu entdeckt.
Anfang der Woche habe ich Lust auf spielen gehabt und habe mit Otis Karten, Dame, Mühle und noch mehr gespielt.
Ach, manchmal singe ich, tanze ich oder tobe mit den kids, Kissenschlachten machen Spass, albern sein genauso - es gibt so unglaublich viele Möglichkeiten. Das Schöne daran, es holt mich aus dem Alltag, es befreit und lässt einfach Unbeschwertheit zu. Mir tut es gut, einmal am Tag bewusst Pause vom Erwachsen-Sein zu machen.

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