Dann habe ich eine Freundin besucht und Überweisungsträger gesehen, aber nicht für Versicherung, Strom oder sonstige Rechnungen...nein, da lagen diverse Überweisungsträger für wohltätige Institutionen. 10€ für die Aktion Mensch, 10€ für den Verein 4 Pfoten, 10€ für Ärzte ohne Grenzen .... auf Nachfrage erzählte sie mir, dass sie versucht, 10% ihres Einkommens zu spenden. Das geht nicht immer, weil sie selbst sparen muss und nicht immer viel hat, aber sie sagt, selbst dann spendet sie das, was geht.
Super! Ich spende auch jährlich für Ärzte ohne Grenzen und versuche darüber hinaus im Alltag meinen Beitrag zu leisten. Ich nenne das meine sog. social projects, die ich für Menschen, die es gebrauchen können, gratis oder zu einem stark vergünstigten Preis mache. Ich würde gern auch etwas Ehrenamtliches machen, habe aber gemerkt, dass ich, bedingt durch meinen Alltag, meine Unterstützung besser in meine Arbeitsstunden einbauen kann.
Für mich ist das Besondere dabei, dass ich zum einen helfen kann, das andere ist, dass ich selbst dabei sehr viel lerne, oft Tiefes erfahre und Menschen und Menschenwelten kennenlerne, zu denen ich sonst gar keinen Zugang hätte. Ich lebe in meinem Quartier, in meinem Freundeskreis, alle sind sich relativ ähnlich, klar gibt es Unterschiede, aber so richtige Ausbrecher eigentlich nicht.
Wenn ich aber z.B. ein Projekt für Langzeitarbeitslose mache oder mit Selbständigen arbeite, bei denen gerade alles still steht oder mit Künstlern ein Projekt für Strassenkinder in Südamerika durchführe, dann komme ich in eine ganz andere Welt, dann lerne ich ganz andere Einstellungen, andere Haltungen, Lebensweisen, einen anderen Umgang mit Problemen und auch andere Denkweisen kennen. Das bringt mich zum Nachdenken, das relativiert vieles Wichtige aus meiner Welt, das inspiriert mich Dinge auch mal anders zu sehen oder zu tun, das holt mich manchmal knallhart in die Realität zurück - kurzum, ich tu was und bekomme unglaublich viel dafür zurück.
Ein Freund von mir, dessen Hund gerade gestorben ist, hat vor 2 Wochen einen Lehrgang zum Hundeausführer für Tierheimhunde mitgemacht, um am Wochenende dort zu helfen. Eigentlich war es Eigennutz, um den Verlust von Bob besser verarbeiten zu können, jetzt erzählte er mir, dass er dort völlig verschiedene Leute trifft und das für ihn eine Auszeit von seinem Alltag sei. Den Hunden tut es gut, ihm scheint es supergut zu tun - auch er gibt und bekommt. Davon angesteckt wollte selbst Otis nun ins Tierheim gehen und fragen, ob er dort etwas tun kann - das finde ich super, denn ich bin sicher, auch er wird merken, er hilft und bekommt dafür etwas zurück.
Mal schauen, vielleicht bekommt das ja sein Freund mit und der tut dann auch was .... diese Art der Ansteckung finde ich sehr sinnvoll!
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