Freitag, 13. November 2009

Mein Partner muss nicht alles wissen.

Muss man seinem Partner eigentlich alles erzählen? Ich hatte heute eine interessante Diskussion mit einer Freundin, die fand, dass zu einer guten Beziehung auch absolutes Vertrauen und Verständnis gehört. Sie hatte ein Trostgespräch mit ihrem Ex, dass ihr ziemlich nahegegangen war und da ihr jetziger Mann auf diesen Verflossenen leicht allergisch reagiert, hat sie ihm nichts davon erzählt, was sie aber wiederum befremdlich fand. Ich fand es überhaupt nicht befremdlich, denn warum muss mein Mann alles wissen, nur weil er mein Mann ist?

Sie, nennen wir sie mal Tilda, meinte, ihr Mann sei ihr Partner und sie erwarte, dass man sich in einer Beziehung über alles, was so in beider Leben passiert, austauschen können müsse. Sie wolle das sogar wissen, was ihn bewegt, was er erlebt, was er sich wünscht, was er so macht und und und.... Ich kann dem nur bedingt zustimmen, weil ich finde, dass eine Partnerschaft meinen Mann ja nicht zu meinem besten Freund, meinem Berater, meinem Versteher, sprich, zu einem offenen Buch für mich macht. Wieso muss mein Partner in alle Rollen schlüpfen, die ich in meinem Umfeld brauche?

Er ist mein Partner und wir teilen Tisch und Bett. Das bringt uns nah zusammen, schafft aber auch Raum für Empfindlichkeiten oder Befürchtungen, genau dann nämlich, wenn diese Nähe durch Einwirkungen von aussen (vermeintlich) gefährdet werden könnte. Expartner, kurzfristige Schwärmereien für andere männliche Exemplare oder einfach eine akute derzeitige Unzufriedenheit mit mir können solche Befürchtungen auslösen. Warum in aller Welt muss ich ihm das zumuten? Warum kann ich solche Themen nicht mit anderen Menschen, die mir nahestehen, teilen?

Früher war unser Sozialleben anders aufgeteilt: die Männer trafen sich um zu reden (in manchen Ländern tun sie das heute noch in Cafés oder anderen rein männlichen Treffpunkten), die Frauen trafen sich am Brunnen oder Fluss beim Waschen und beredeten dort ihre Sachen, die Eltern oder der Ältestenrat wurden bei schweren Fragen kontaktiert. Mann und Frau waren zusammen und kümmerten sich umeinander und um die möglicherweise vorhandenen gemeinsamen Kinder. Oft waren es zewckgerichtete Bündnisse, sehr wirtschaftlich geprägt. Für alle möglichen Fragestellungen des Alltags gab es alle möglichen Ansprechpartner, der eigene Mann war aber oft gar nicht der, der ins Vertrauen gezogen wurde.

Das ist lange her, heute leben wir völlig anders und trotzdem glaube ich, dass diese Rollenteilung teilweise ganz gesund ist und Beziehungen auch sauber hält. Warum muss ein Partner heute in alle Rollen schlüpfen? Warum muss er alles erfüllen? Nur weil wir jetzt Wasch- und Kaffemaschinen zuhause haben, muss das doch nicht heißen, dass soziale Gefüge überflüssig sind. Ich glaube, dass es Themen gibt, die ich sinnvollerweise mit meinem Mann bespreche und welche, die nicht. Wenn es ihn und unsere Beziehung nicht betrifft, dann darf ich manche Dinge durchaus auch mit einer Freundin besprechen. Im Gegenteil, bevor ich seltsame Gefühle oder ähnliches hervorrufe, die völlig unnötig sind, weil sie durch nichts und für nichts entstehen, da spare ich mir doch lieber die totale Offenheit. Denn mein Mann ist mein Mann, meine Freundin ist meine Freundin und meine Mutter ist meine Mutter. Und jeder steht für besondere Themen und für besondere Fragen, manches kann ich vermischen, manches auch nicht. Manches will ich auch gar nicht vermischen, denn wenn ich alles weiss und in allem drinstecke, wo ist dann der Reiz, die Überraschung, das Prickeln, das auch jede Beziehung braucht? Wir sind ja immer noch 2 und nicht durch unsere Beziehung symbiotisch verbunden.

Tilda und ich haben da lange drüber gesprochen und sie fand es für sich zwar erst noch komisch, dass sie ihrem Partner nun nicht von dem Gespräch mit dem Ex erzählen konnte, kam für sich aber zu dem Ergebnis, dass das mit ihm und nicht mit ihr und einer etwaigen Geheimniskrämerei oder sogar Betrügerei zu tun hatte. Sie verstand, dass sie ihn vielleicht überfordern würde, dass er verletzt oder getroffen sein könnte und dass in diesem Fall ein "Nicht-erzählen" eher Schutz als "hinter-seinem-Rücken-agieren" ist.
So hat sie mir ausführlich davon erzählt, denn hier war ich tatsächlich als Freundin gefragt. Das tat uns auch mal wieder gut, so ein Freundinnenthema, denn ehrlich gesagt, habe ich mich dann auch gefreut, mal wieder etwas Exklusives mit ihr zu haben. Das ist unsers und bleibt es auch, ein schönes Gefühl.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen