Montag, 16. November 2009

Manchmal ist es gut, nicht mitzuspielen....

Ich habe eine Bekannte, die ich alle Jubeljahre mal treffe, heute wußte ich wieder warum. Ich war mit Baby-Pippa spazieren und ich schob so durch den grauen Novembertag als ich sie im Park traf. Großes Hallo, was für eine Freude, ach, dass wir uns aber auch immer zufällig treffen, wir könnten uns doch mal verabreden.....das übliche Begrüßungszeremoniell, um dann nachfolgend den aktuellen Stand auszutauschen. Sie erzählte von ihren letzten Wochen in denen sie wohl relativ häufig unterwegs war und dass sie nun dringend einen Gang runter schalten müsste. Ich berichtete von unserer neuen Zeit, Otis auf dem Gymnasium, ich, die ich nun wieder Arbeit und Pippa und Otis unter einen Hut bekommen möchte - und da ging es auch schon los.
"Du bist doch komplett verrückt, warum arbeitest Du denn???? Du kannst doch wirklich jetzt erstmal aufhören, also, wenn ich Du wär, dann würde ich mir......" Sie stellte mich als den kompletten Volltrottel dar, als wenn mein Wunsch nach Arbeit und weiterer geistiger Betätigung einem reduzierten IQ, Mütterwahnsinn und Stilldemenz - und das alles auf einmal - entsprungen wär.

Ich kenne ihre Einstellung schon. Sie meint, ich solle doch nun mein Mutterdasein pflegen und mich voll und ganz Baby-Pippa und dem groß-werdenden Otis widmen, weil beide auf ihre Art mich sehr nötig brauchen würden. Das letzte Mal, als wir uns getroffen haben, war das auch schon Thema. Da habe ich argumentiert, erklärt und mich fast schon gerechtfertigt, nein, ich habe mich dafür gerechtfertigt, dass ich wieder in den Job zurück will. Sie fand meinen Wunsch offensichtlich total überzogen, unterstellte mir Erfolgsdruck und die Suche nach Selbstbestätigung - kurz, ich bin mit einem sehr schlechten Gefühl aus dem Gespräch gegangen, weil das keine Unterhaltung, sondern ein Monolog mit nicht gehörten Einwürfen von mir war.

Als es heute wieder los ging, also, "wenn ich du wär etc. ....". - da schluckte ich meinen Ärger über sie herunter und dachte mir, dass ich ihr heute die Tour vermasseln werde. Ich ließ sie also erstmal reden und dann, als sie fertig war, sagte ich: " Mensch, Du hast Recht, ich bin echt total bescheuert! Wie gut, dass wir uns sehen, denn ohne Dich wäre ich voll in meine Ehrgeizfalle gerutscht - danke, dass Du mir sagst, wo ich wirklich gebraucht werde und was ich tun soll. Manchmal ist man ja blind für die wirklich wichtigen Dinge im Leben und ich habe scheinbar überhaupt nicht erkannt, was jetzt gerade wichtig ist. Stell Dir mal vor, was mit Pippa und Otis hätte passieren können, wenn ich wirklich wieder arbeiten würde, gut, dass Du mir das noch mal so deutlich sagst!"

Ich habe sie dabei ganz freundlich angeschaut, mit einem Lachen im Gesicht, ohne Sarkasmus, sondern eher mit einer Portion Humor.
Sie stockte, guckte mich total verdutzt an - und sagte dann nur noch "ja, schau doch einfach mal, was am besten für dich ist..." und wechselte das Thema.

Es hat funktioniert. Ich habe geschafft, nicht auf meinen Ärger zu reagieren, sondern total paradox zu reagieren, also genau gegenteilig zu meinem Gefühl und auch paradox gegenüber ihren Erwartungen. Da war sie nicht drauf gefasst, das konnte sie auch nicht wechseln. Klar, ich habe ihr Spiel unterbrochen, denn habe nicht mitgespielt und bin auf das, was sie sagt nicht in gewünschter Weise eingegangen.

Warum habe ich das getan? Von dem letzten Gespräch wusste ich, dass sie mir nicht wirklich zuhört, dass sie auch gar nicht wissen will, warum ich wieder arbeiten möchte. Nein, sie war total bei sich und sah nur ihre Argumente und ihre Meinung, für mich also komplett verlorene Liebesmüh, darauf zu reagieren. Würde ich regieren, (und ihr Spiel mitspielen), bliebe ich am Ende mit einem schlechten Gefühl zurück. Das wollte ich dieses Mal auf keinen Fall, denn mir war klar, es geht ja gar nicht um mich, sondern um sie und ihre Meinung. Und mit jedem Gegenargument von mir würde ich ihr mehr Raum für ihre Meinung gegeben. So geht das Spiel, eigentlich ganz einfach. Nur blöd, dass ich dabei nur verlieren kann. Nein, das wollte ich nicht mehr, keine Lust auf Spielchen und unnötige schlechte Gefühle.

Also bestätigte sich sie total und nahm ihr damit den Wind aus den Segeln. Das Gespräch war dann auch schnell zu Ende und das Schönste war: ich ging mit einem Schmunzeln weiter.....anstatt mit einem Kloß im Bauch!






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