Samstag, 21. November 2009

Verzeihen befreit.

Samstag, ausschlafen - so gut es geht mit Baby-Pippa, aber heute ging es genial - bis 11 Uhr, mit Wach-werden zwischendurch, aber immerhin. Frühstück, baden und dann raus, der blaue Himmel, all die Samstagseinkäufer und die Wochenend-2do´s lockten! So gingen wir auch einkaufen und ließen uns mit den anderen Shoppingfreunden treiben, als ich meine Freundin Karina traf, die das gleiche tat wie wir. Und was macht man, wenn sich samstags beim Shoppen trifft? Man trinkt einen Coffee zusammen, genau. Gesagt, getan und in kürzester Zeit waren wir beide up to date was bei der Anderen alles passiert war.

Karina ist verheiratet, schon urlange, das heisst länger als 15 Jahre (ja, das gibt es noch!) und sie hat zwar keine Kinder, aber diverse Tiere und Jobs, eine echte Multitasking-Frau, obwohl ich nicht mehr sicher bin, ob es das tatsächlich gibt. Aber dazu schreibe ich an einem anderen Tag.
Karina hat eine beste Freundin, die ich auch gut kenne - leider herrscht seit 1 Jahr Funkstille zwischen den beiden, weil ihre Freundin sich bei einem Streit verletzend verhalten hat. Das hat Karina ihr so übel genommen, dass sie sich seitdem nicht mehr gesehen haben. Für mich ist das absolut unverständlich, denn die beiden waren so eng wie 2 Schwestern, alles wurde geteilt und ich war mir damals nicht wirklich sicher, wer Karina näher stand, Karina´s Mann oder diese Freundin.

Karina erzählte mir also, was in ihrem Leben gerade so los war und ich erzählte ihr von meinen Dingen, alles war gut und es tat gut, sie zu sehen, denn Karina versprüht einen Elan, der ansteckend ist. Trotzdem stand ein großer Elefant im Raum über den aber nicht gesprochen wurde. Naja, ein Elefant ist nur leider zu groß, um übergangen zu werden und ich wollte nicht, dass wir um den heißen Brei herum reden und beide so tun, als ob der Elefant nicht da ist.
So sprach ich sie auf ihre Freundin Marie an, fragte, ob sie sie gesehen habe und was es Neues gäbe. Hhm, falsche Frage - unwirsch wurde ich weggefegt, es gab also nichts Neues und augenscheinlich nichts Positives zu berichten.
Im Gegenteil, Karina´s Gesicht wurde hart, ihre gute Ausstrahlung verschwand, von Elan nichts mehr zu spüren. Stattdessen waren Kälte, Abweisung und Starrheit spürbar, die ganze positive Energie war weg.

Ich sprach sie darauf an und fragte sie, ob sie denn schon mal an eine Versöhnung mit Marie gedacht habe.
Das wollte sie nicht hören, im Gegenteil, sie sagte, da wäre nichts mehr zu machen, sowas könne man nicht verzeihen - all die Dinge, die sie so verletzt hätten, dass sie keinen Schritt auf sie zu gehen könnte.

Wer nicht verzeiht, der hält den Groll, die Wut, die Verärgerung und leider auch die Verletzung in sich. Das Aufrechterhalten der feindseligen Stimmung vergiftet den Körper und die Seele von innen, denn um meinen Ärger aufrechtzuerhalten, muss ich mir immer wieder ins Bewußtsein rufen, was passiert ist. Das heisst, ich werde immer wieder an diese Verletzung erinnert, ich pflege sie quasi, weil ich sie brauche, um meine nicht-verzeihende Position zu halten. Nicht zu verzeihen bedeutet, das Schlechte präsent halten, dem Guten, Neuen keine Chance geben. So kann ich keine Verletzung verarbeiten, so kann sich die Wunde nicht schließen.

Karina meinte, dass ihr Vertrauen kaputt wäre - ja, das mag sein, das hat auch erstmal nichts mit Verzeihen zu tun. Ob und wie ich die alte Beziehung dann wieder herstelle, ist ein zweite Frage. Zuallererst beende ich mit der Verzeihung einen aktiven Streit, ich mache Platz für einen Neuanfang, ein gemeinsames Verarbeiten und für neue, vielleicht sogar positive Erlebnisse mit diesem Menschen. Und das Wichtigste, ich beende mein aktives Grollen, ich gehe in anderes Stadium, die akute Verletzung wird Vergangenheit. Das muss nicht bedeuten, dass sie weg ist, aber es bedeutet, dass ich sie mit Abstand betrachten und schauen kann, was ich brauche, um sie zu heilen.
Wenn ich nicht verzeihe, darf sie nicht heilen, nur mit dieser Verletzung bleibt mein Groll aktiv. Das allerdings bedeutet Stillstand und schlimmer noch, das bedeutet permanent ein schlechtes Gefühl.

Karina kannte wohl dieses schlechte Gefühl, offensichtlich dachte sie oft an ihre Freundin und damit oft an ihren Streit. Das wollte sie nicht, sie sagte sogar, sie wünschte sich, dass sie den Streit ad acta legen könne - wußte aber nicht wie. Sie sagte, Marie habe schon des öfteren versucht, sich bei ihr zu entschuldigen, sie habe das aber nie angenommen - vielleicht wäre es doch eine gute Idee, ihr einen Brief zu schreiben und die Entschuldigung anzunehmen? Allein durch diese Frage erschien sie schon gelöster, ich spürte die Veränderung in ihr - wie erleichtert kam sie mir vor.

... eben habe ich eine Mail von ihr bekommen, sie hat den Brief geschrieben. Karina meinte, sie habe zwar noch nichts von ihrer Freundin gehört, aber das sei auch erstmal egal, sie würde sich tatsächlich viel besser fühlen, irgendwie befreit....

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