Donnerstag, 17. Dezember 2009

Sag ruhig auch unangenehme Dinge.

Heute ist mir etwas passiert, was zu den Themen der letzten Tage passt. Ich war zu einer Adventsfeier eingeladen, Hausmusik von den Kindern der Gastgeber und Nachbarn mit anschließendem Adventstee. Eine Freundin mit Kind holte mich ab und gemeinsam fuhren wir dorthin.

Es war eine kleine Veranstaltung im engeren Freundeskreis, wie gesagt, die Kinder machten die Musik - also eher ungezwungen und locker. Meine Freundin war total gestylt, so sehr, dass ich sie fragte, ob sie hinterher noch woanders hinwolle.
Nein, sie hatte sich für den Adventskaffee so schick gemacht.

Sie fragte mich, ob ich es overdressed find, ich zögerte. Wenn ich es ihr sage, dass fühlt sie sich die ganze Zeit unwohl, wenn ich nichts sage, wird sie spätestens an den Blicken dort merken, dass das Dekollté und die Schmuck- und Make Up-Menge einfach nicht passen. Ich wollte sie nicht verletzen, wollte aber auch authentisch sein, nicht so tun als ob.

Ich sagte, dass ich sie sehr schick finde, für diesen Rahmen allerdings etwas sehr schick und zuviel für ein so kinder-ausgerichtetes "Event". Sie nahm es locker und vereinfachte ihr Outfit indem sie den Schmuck reduzierte und 1,2,3 ihre Haare wieder auflockerte und sportlicher umstylte. Ihren Ausschnitt bekam sie nicht kleiner, aber für alle Fälle liess sie erstmal ihren Schal um.

So war es dann adäquater und sie merkte dann später, dass sie zwar immer noch sehr stylisch war, aber nun nicht mehr so auffällig. Sie fühlte sich wohl und dankte mir hinter her, sagte, dass sie sich sonst sehr unsicher gefühlt hätte.

Also war es richtig, es ihr zu sagen, ich merkte, dass ich ihr peinliche Momente dazu erspart hatte.

Ich hatte es ihr respektvoll gesagt, hatte es zwar sanft verpackt, aber die Botschaft war klar. Ich war wohlwollend und konstruktiv und ich war eindeutig. Ich habe nicht drum herum geredet, nicht nur Andeutungen gemacht, sie wusste zu jeder Zeit, woran sie war.
Und dann war es auch für sie ok, im Gegenteil, ich glaube, sie hätte es mir übel genommen, wenn ich nichts gesagt hätte und sie es erst vor Ort gemerkt hätte. Dann wäre mein "Du sieht gut aus" ein Weichspüler gewesen, und nicht rein den Tatsachen entsprechend.

Ich denke, es ist gut für beide, wenn jemand wohlwollend ehrlich ist, auch wenn die Wahrheit mal unbequem, kritikreich oder gar verletzend ist. Das erhöht das Vertrauen und zeigt dem anderen, dass ich ihn ernst nehme, auch wenn das, was ich ihm sage, nicht unbedingt das ist, was er hören möchte.

Aber am Ende bringen nur diese Wahrheiten mich und auch andere weiter. Auch wenn´s erstmal unangenehm ist.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen