Dazu kommt eine handfeste Ehekrise, die beiden scheinen ich auseinander gelebt zu haben, ausser Vorwürfen, was der andere alles falsch macht, passiert wenig Kommunikation.
"Er macht nur sein Ding, interessiert sich überhaupt nicht für mich, ich kann Dir nicht sagen, wann er sich das letzte Mal die Mühe gemacht hat, mir mal einen schönen Abend zu machen. Geschweige denn ein Kompliment oder sonst etwas nettes. Nix kommt von ihm, gar nichts....." Lea ließ ihren ganzen Frust über Timo, ihren Mann, heraus und die Klagen über ihre Kinder hörten sich ähnlich an. Amelie macht das nicht und Benedikt macht immer so und so.....ich konnte mir schon nach kurzer Zeit vorstellen, wie es gerade bei ihr zuhause abgeht.
Mir fiel nur auf, dass es immer um die anderen ging. Timo, Amelie, Benedikt, sie schienen alles falsch zu machen. Ich fragte sie, ob sie das auch ihrer Familie so sagt, wie sie es mir gerade gesagt hat. "Du machst das, du das.......", sie bejahte, ja klar, wenn sie nichts sagen würde, dann würde sich ja nie was ändern und außerdem würde sie sonst platzen, so genervt sei sie.
Auf meine Frage, ob sich denn schon etwas geändert habe, sagte sie verbittert, dass sich nichts ändern würde, manchmal hätte sie das Gefühl, dass es die 3 gar nicht interessiert, was sie sagt.
Ich fragte sie, was sie denn möchte. Ich hätte jetzt ganz viel gehört, was sie doof findet und was sie stört - aber mit keinem Wort einen Ich-Satz mit ihren Wünschen.
Sie schaute mich verdutzt an, sagte, dass das doch klar sei....nein, genau das ist es nicht.
Wenn ich mich oft in Du-Botschaften ausdrücke und den anderen sage, was ich nicht gut finde an ihnen und was sie falsch machen, dann habe ich damit noch mit keiner Silbe gesagt, wie ich es denn gern hätte. Ich sage mit Du-Botschaften nicht, was ich mir wünsche, was und wie es für mich ok wäre. Ich mache mit Du-Botschaften nur Vorwürfe, die aber nicht produktiv sind, sondern den anderen nur klein machen und ihn in die Defensive drängen. Du-Botschaften drücken Konfrontation aus, sie machen den anderen eher aggressiv als änderungsbereit.
Produktiv werden meine Sätze erst, wenn ich von mir spreche, wenn ich meine Änderungswünsche klar benenne und Stellung beziehe. Erst dann bin ich bei mir. Wenn ich sage, was eine Situation bei mir für ein Gefühl auslöst und was ich für eine Veränderung wünsche, dann hat das nur mit mir zu tun, dann ist das keine Konfrontation, sondern ein Wunsch an mein Gegenüber.
Und die Wahrscheinlichkeit, dass mein Gegenüber darüber nachdenkt und möglicherweise etwas ändert ist so sehr viel höher, als wenn ich schimpfe und zetere und hoffe, das ausser meinem Geschimpfe auch noch verstanden wird, was ich nicht sage:
Das, was ich eigentlich will.
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