Wir sprachen über ihren Job, über ihre Aufgaben, über Veränderungsmöglichkeiten - alles brachte uns nicht weiter, denn es half ihr nicht, dass sie vielleicht nächstes Jahr in einen anderen Job wechseln könnte.
Der Kern des Problems war, dass sie sich selbst böse war, dass sie die Arbeit nicht gut fand, dass sie sich nicht mit ihren Aufgaben zufrieden war, dass sie es wagte, etwas anderes für sich zu verlangen.
Ich konnte ihren inneren, strengen Kritiker quasi vor mir sehen, wie er zu ihr sagte: "Stell dich nicht so an, sei froh, dass Du Arbeit hast, Arbeit muss nicht Spass machen, Arbeit muss Dich ernähren!" So in etwa sprach es in ihr, und natürlich kämpften da 2 Seelen in ihrer Brust: die eine, die sich einfach nicht wohl fühlt und die andere, die dafür kein Verständnis hat und auf Pflichterfüllung pocht.
So ein Kritiker kann uns das Leben ganz schön schwer machen, weil er so streng ist und immer wieder zu uns spricht. Er ist quasi stets da, flüstert uns seine strengen Botschaften ein, die vermeiden, dass wir unseren Bedürfnissen nachkommen. Nein, er sorgt dafür, dass wir klein bleiben und nicht für uns sorgen, weil wir nicht wirklich das tun, was wir eigentlich möchten.
Er ist auch für etwas gut: oft sorgt er Disziplin und für Verantwortungsbewusstsein. Schön wäre nur, beides zu haben: die Freiheit zu wählen, was ich für mich möchte und dabei fleißig, zuverlässig oder so etwas zu sein. Sprich, Selbstverwirklichung und Kritiker in Einklang bringen.
Meine Bekannte hat es für sich gelöst: sie wird weiterhin genauso zuverlässig wie sonst ihre Aufgaben erfüllen und wird ein Gespräch mit ihrem Chef führen, in dem sie die Aufgabenverteilung bespricht und ihre Wünsche äußern wird. Das Gespräch steht ihr bevor, aber sie wird es führen, da bin ich sicher.
Weil wir noch eine andere Stimme in ihr geweckt haben: die Anspruchsvolle, die für sie sorgt.
Und die wird jetzt - gemeinsam mit dem Kritiker - präsent sein und für ihr seelisches Gleichgewicht sorgen.
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