Montag, 14. Dezember 2009

Sprich von Dir - unfreiwilliger Teil 3

Jetzt habe ich 2 Tage über Kommunikation geschrieben, über deutlich sagen, was ich möchte und dann passiert heute das:
Ich laufe mit Kind und Kollege zur Bahn, wir wollten nach Hannover, um dort ein Gespräch zu führen mit anderen Kollegen. Wie meistens waren wir auch heute knapp in der Zeit, ich wollte aber trotzdem noch schnell ein Milchbrötchen kaufen und sage zu Kollege Martin, der Beamer und Koffer trug: "Geh doch schon mal zum Aufzug, ich komme gleich!"

Ich hetze also mit Pippa zum Bäcker, kaufe schnell das Brötchen und hechte die Treppen hoch zum Bahnsteig. Der Zug steht schon da, ich schaue den Bahnsteig hinunter, kein Martin zu sehen. Ich denke mir, schlau von ihm, er ist schon drin und sichert Plätze...., springe also auch rein mit Pippa-Lee und gehe Richtung Restaurant...denn wir hatten auf der Hinfahrt schon von einem leckeren Bahnfrühstück geträumt. Die Türen schließen, ich gehe durch den Zug, schaue zufällig raus....und sehe beim Abfahren Martin aus dem Auszug kommend auf dem Bahnsteig stehen.
Ratlos, suchend, wenn er die Hände frei gehabt hätte, hätte er sich die Haare gerauft - ich konnte quasi in seinem Gesicht lesen, dass er nicht vor und zurück wußte.

Ich rief ihn an, sagte ihm, dass ich an der nächsten Station aussteigen würde, um dort auf ihn zu warten und dass wir dann gemeinsam weiterfahren würden. Das Gespräch war relativ kurz und eisig.

Was war passiert??
Wenn ich jetzt die Frauen fragen würde, dann würden die sagen: Du hast gesagt "Geh schon mal zum Aufzug" und hast gemeint "Fahr schon mal mit dem Aufzug hoch auf den Bahnsteig!"
Wenn ich einen Mann fragen würde, würde der antworten: "Du hast gesagt, geh zum Aufzug, also ist er dorthin gegangen und hat dort auf Dich gewartet. Genau wie Du es gesagt hast."

Ein Freund, dem ich das eben erzählt habe, der meinte, er ahne was passiert sei, aber er sei seit 15 Jahren verheiratet und wüsste deshalb, dass er auf den Bahnsteig hätte fahren sollen....
Zitat: "Ich weiss, was Frauen sagen und was sie meinen...meistens jedenfalls..." Zitatende.

Erwischt. Ja, genau so ist es. Heute auf jeden Fall gewesen.
Ich habe nicht genau das gesagt, was ich gemeint habe und Martin hat mich beim Wort genommen.
Ganz einfach. Ich habe gesprochen und vorausgesetzt, dass er wie ich denkt. Martin dagegen hat sich an das gehalten,was ich wirklich gesagt habe und stand dann da. Allein auf dem Bahnsteig.

Er hat mir natürlich den Kopf gewaschen, als wir uns wieder hatten. Ich ihm auch, aber er ließ das nicht gelten. Es dauerte noch eine Stunde, bis wir herzhaft darüber lachen konnten....ich habe auf jeden Fall eins gelernt heute:

Der andere kann nicht wissen, was ich meine. Sonst wäre er Hellseher geworden. Oder Gedankenleser. Ist er aber nicht. Jeder versteht Dinge auf seine Art. Deshalb muss ich meine Gedanken, Wünsch, Pläne etc. ausdrücken, damit ich verstanden werde.

Das heisst konkret: Ich sage es ab jetzt so, wie ich es meine.
Denn ich mag gar nicht allein Zug fahren....





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