Gestern traf ich Alex. Alex ist ein wahres Optimismus-Wunder - alles ist schön, alles ist toll, alles wird gut.
Erstmal super, aber als wir dann über seinen Job sprachen und er die Glocken der Veränderung einfach nicht läuten hören wollte, "nein, alles super, warte mal ab, du übertreibst" - da merkte ich, machte sich Unbehagen bei mir breit.
Mit seiner Frau läuft es auch nicht gut, ein großer weißer Elefant namens "wer macht eigentlich was hier?" steht im Raum - angespannte Stimmung, Schweigen, viel fernsehen und überspielende, oberflächliche Gespräche - und Alex sagt, "das wird sich schön fügen, wir wissen, dass wir zusammen gehören, man muss nicht alles ansprechen, man kann Dinge auch zerreden!"
Klar, man sollte nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen - aber wenn der Elefant da ist, sollte man auch nicht so tun, als wenn er eine Mücke wäre. Und ich habe mal irgendwann gelernt, dass sich kein Problem von selbst löst, wenn man nur lange genug abwartet....im Gegenteil, meistens wird es größer und größer...elefantös quasi.
Ich habe Alex darauf angesprochen, dass sein erzwungener Optimismus nervt und auch nicht wirklich förderlich ist, weil er an der Realität vorbeigeht. Alles wird gut, alles ist schön - wie kann ich mich ernsthaft mit jemand unterhalten, der sich nicht auch den unangenehmen Teilen der Realität stellt? Ich kann Alex nicht sagen, dass ich traurig oder wütend bin, denn solche vermeintlich negativen Gefühle haben in seinem Leben keinen Platz. Im Gegenteil, er versucht mir noch das Gefühl zu geben, selbst schuld zu sein, weil ich mich von solch unerquicklichen Gefühlsregungen erwischen lasse. "Hey, du musst das locker sehen, denk an was Schönes!"
Anstrengend.
So kann ich gar nicht mit ihm sprechen, denn er will einen Teil von mir, den er belastend findet, weil er anstrengend, konfliktär oder was auch immer ist, nicht hören. Damit bewegen wir uns aber auf Small Talk-Niveau, denn mit ehrlichem, tiefem Austausch hat das nichts zu tun. Allein das fand Alex schon unangenehm zu hören, "Ach komm, wir wollen es doch nett haben....." Aber: Small Talk hat wohl gepiekst, denn es gibt eine gute Nachricht: er hat dann tatsächlich erzählt, dass er sich unwohl fühlt im Job, weil er so gar nicht wüsste, was kommt.....!
Und wir haben uns das erste Mal seit langem richtig gut unterhalten, ernsthaft und dann auch wieder sehr lustig - große Freude!
Mittwoch, 27. Mai 2015
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