Samstag, 2. Januar 2010

Ich entscheide und tue.

Ich bin heute mit dem Bus in die Stadt gefahren und wie fast jedes Mal habe ich auch heute den Bus ganz knapp verpasst. Ich sah ihn noch um die Ecke fahren, aber - weg! Das hieß, 10 Minuten warten. An der Bushaltestelle stand ein älterer Herr, dem es genauso ergangen war wie mir. Wir kamen ins Gespräch und sprachen über Handys, was wir früher ohne sie gemacht haben und all das, was man dazu sagt, wenn man diesen Handywahn kritisieren möchte.

Ich erzählte ihm, dass zu unserem Silvesteressen ein Gast 3 Handys dabei hatte und völlig genervt war, weil er auch mit 3 Geräten den gewünschten Gesprächspartner nicht erreichte - was seine Laune total vermieste.

Mein Gesprächspartner an der Bushaltestelle erzählte mir, dass er seine Mails nur einmal am Tag checke und sein Handy auch nicht immer an hätte. Dadurch hätte er klare Zeiten für Kommunikation und würde die Kontrolle über sein Leben bewahren - und er ist, wie sich herausstellte ein Schauspieler, der also sehr wohl erreichbar sein muss.

Was mir an ihm gefiel, war seine Gelassenheit. Er strahlte eine Zufriedenheit und Ruhe aus, die ansteckend war. Wir sprachen noch über dieses und jenes und egal, was es war, er schien immer zu schauen, was er dafür tun konnte, das die Dinge akzeptabel, gut oder machbar sind. Dadurch ruhte er sehr in sich, er war nicht abhängig vom Tun der anderen oder irgendwelchen technischen Geräten, nein, sein eigenes Handeln und Denken stand immer im Zentrum des Geschehens.
Das macht ihn frei, vor allem stressfrei, den er hat die Kontrolle, über das, was er tut. Und er übernimmt Verantwortung, er schiebt nichts auf andere ab, er schaut auf sich. Was er mit den Dingen, die auf ihn zukommen, macht.

Als ich in den Bus einstieg und eine Fahrkarte lösen wollte, traf ich auf einen sehr selbstgefälligen, ehrlich gesagt, unangenehmen Busfahrer. Obwohl meine Bitte um eine Fahrkarte klar formuliert war, spielte er seine vermeintlich Machtposition aus: Wohin? Ins Centrum? Wohin genau? Der und der Platz? Wohin? Äh, Hauptmann- statt Hachmannplatz. Macht 1,70€
Das war von Anfang an klar, dass es 1,70€ kostet, aber der Mensch brauchte wohl dieses Spielchen.

Der ältere Herr hatte das mit bekommen und sagte: "Ärgern Sie sich nicht, gehen Sie davon aus, dass er einfach etwas länger mit Ihnen sprechen wollte!"
Da war sie wieder, die Sicht der Dinge..... ich schmunzelte und entschied mich, humorvoll auf die Dinge zu schauen. Damit konnte mich der Busfahrer trotz der Gängelei nicht ärgern.

Und ich war Herrin des Geschehens und meiner Gedanken.
Ein schönes Gefühl. Selbst zu entscheiden was ich mit den Dingen mache, die auf mich zukommen.




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