Mittwoch, 6. Januar 2010

Leben im Jetzt.

Ich hatte heute Yoga, das tut immer so gut. Ist was für den Körper und für die Seele.
Entspant lief ich danach nach Hause, da klingelte mein Telefon. Eine Freundin, Klara, die völlig aufgelöst und hysterisch durcheinander erzählte. Firmenverkauf, Job weg, neuen Job suchen, heute Bewerbung, morgen Personalberater anrufen, Jobgarantie bis 2012 - es ging alles durcheinander und ich verstand erst nach merhmaligen Nachfragen den Gesamtzusammenhang.

Ihre Firma soll zur Mitte des Jahres verkauft werden, laut den Vorgesprächen gibt es für ihre Führungsebene eine 2-jährige Anstellungsgarantie, sprich, sie kann frühestens - unter Berücksichtigung ihrer Kündigungsfrist - zum Ende des Jahres 2012 entlassen werden.

Klara war total aufgeregt, für sie stand ihre gesamte Basis auf einmal auf wackeligen Füßen und sie wollte scheinbar sofort aktiv werden, um wieder Sicherheit zu erlangen.

Sie redete nur von Ende 2012: "Ich muss jetzt sofort beginnen und schauen, was ich dann machen kann, Du musst mir sofort jemand empfehlen, der mich zum Thema berufliche Veränderung coachen kann, ich muss jetzt überlegen, was ist, wenn die mich freistellen. Mitte 2012, wie gehe ich da am besten vor...." , so ging es in einem fort.

Ich kann ihre Aufregung natürlich total verstehen, auch ihre Angst und ihre Sorgen. Und dass sie aktiv werden möchte, finde ich auch mehr als nachvollziehbar. Aber, meine Befürchtung ist einfach, wenn sie so emotional wie sie jetzt ist, daran geht, dann wird sie gar nichts erreichen. Im Gegenteil, dann wird sie von ihren Ängsten geleitet werden und möglicherweise sogar, falsche, kontraproduktive Entscheidungen treffen. Weil ihr Ziel ist, eine bedrohliche Zukunft abzuwenden, nicht das Hier und Jetzt gut zu gestalten.

Dazu fiel mir ein Zitat ein, das lautete sinngemäß:
Manche Menschen leben immer im Gestern und erzählen nur von den Dingen, die waren.
Manche Menschen leben nur in der Zukunft und machen sich Sorgen um das, was kommt.

Die wenigstens Menschen leben im Heute und schauen, was die gegenwärtige Situation von ihnen verlangt.


Auch Klara war vollkommen in ihrer Zukunft gefangen, 2012 stand auf ihrer Stirn geschrieben und dort plante und agierte sie bereits. Wer aber weiss, ob die Rahmenbedingungen in 2 Jahren noch immer so sind?

Ich kann mit meinem Verhalten heute wegweisende Richtungen für morgen bestimmen. Da ich das oft in Zusammenspiel mit anderen Menschen tue, sind diese Richtungen allerdings nicht zu 100% planbar, denn sie hängen von mehr Menschen als nur mir ab. Deshalb macht es überhaupt keinen Sinn, das morgen zu planen und das heute dabei hinten anzustellen. Weil ich nicht weiss, was morgen ist.

Ich kann nur schauen, was kann ich jetzt in meiner Situation tun? Dann schaue ich, was passiert und plane den nächsten Schritt. Aber alles was ich tue, geschieht im Jetzt, im Heute. Nur das sind die Dinge, die ich beeinflussen kann. Step by Step kommen wir dann in der Zukunft an, die dann allerdings keine Zukunft mehr ist. Sondern wieder das Jetzt.

Nur so kann ich sinnvoll agieren, alles andere sind hypothetische Handlungsvorhaben, die unsicher sind (kann ich sie überhaupt durchführen? passen sie zu der zukünftigen Situation?) - und dadurch auch mir die Sicherheit in meinem Handeln nehmen. Ich kann sie nicht greifen, nicht planen, nicht beeinflussen, nicht tun - das Verhalten in der Zukunft ist eine Luftblase, die schnell zerplatzen kann, weil die Rahmenbedingungen sich so verändert haben, dass mein Plan gar nicht funktioniert.

Darüber sprach ich mit Klara eine ganze Weile und ich war froh, als sie sagte, dass sie dann erstmal schauen möchte, was sie alles an internen Informationen bekommen kann, dazu dann Gespräche führen wird und auf Basis dieser Sachlage weiterschauen möchte. Sie war im Jetzt angekommen, sicherlich noch mit Sorgen in der Zukunft, aber der erste Schritt ins Heute war getan.
Und damit die Basis für ein überlegtes, ihre Kräfte schonendes Verhalten gelegt.

Willkommen im Heute - hier sieht die Welt ganz anders aus als morgen. Heute kenn´ ich, morgen nicht. Also handele ich da, wo ich die Basis dafür habe. Heute.




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