Wenn ich es dann doch mal schaffe, eine Frage zu stellen, dann beantwortet sie die schnell, durchaus ehrlich, aber es erweckt den Eindruck, als wenn wir bitte schön nicht zu lange bei ihrer Person verweilen wollen. Sie antwortet und lenkt das Gespräch dann sofort wieder zu mir. Das ist anstrengend, denn erstens bekommt unser Gespräch so nur schwer eine Tiefe und Ernsthaftigkeit, die manche Themen einfach brauchen und zweitens macht es schlichtweg keinen Spaß, so miteinander zu reden. Ich werde abgefragt, eigentlich ist es ein Ablenken von ihrer Person und wenn wir dann zu ihr kommen, dann geht das ruckzuck und alles ist gesagt.
Heute war das wieder so, ich fragte sie nach ihrer Weiterbildung, sie hat dort einigen Stress mit den Beurteilungen, was sich auf ihre Seminare auswirkt....2 Sätze, dann war das Thema für sie erledigt und sie fragte mich nach meiner Auftragslage. Aber ich hatte keine Lust darauf und habe zu ihr gesagt: "Stop, erzähl mir das von Dir bitte noch mal richtig, das ist mir zu schnell, dafür ist es Dir doch viel zu wichtig." Sie redete dann ganz schnell, erläuterte die Sache ausführlicher und versuchte noch zweimal, das Gespräch zu mir zu lenken. Aber ich lenkte immer wieder zurück, sagte auch, dass ich das noch zu Ende besprechen möchte und dann schien sie mir zu glauben und blieb bei ihrem Thema.
Scheinbar war es ihr unangenehm über sich zu reden, deshalb redete sie schnell und kurz, um es möglichst schnell hinter sich zu haben. Möglicherweise nimmt sie sich selbst nicht so wichtig und findet ihre eigenen Belange nicht so wertvoll für ein Gespräch - Fakt ist, dass sie genau dadurch einem Gespräch die Tiefe und auch Wärme nimmt, es ganz kühl und sachlich hält und damit das Gespräch wertlos macht.
Ich habe ihr heute gesagt, dass mich ihre Angelegenheiten ehrlich interessieren und ich lieber morgen noch mal mit ihr spreche, um ihr von mir zu erzählen, als jetzt alles im Schnellrapport abzuarbeiten. Und das ich das nicht in 2 Sätzen hören möchte, sondern ausführlich. Weil ich sie mag und sie mir wichtig ist.
Das war ihr natürlich unangenehm zu hören, aber sie hat es still ertragen und dann das Gespräch tatsächlich tiefgehender fortgesetzt und von sich erzählt. Dadurch wurde es ein Gespräch, mit lustigen, ernsten, oberflächlichen und flapsigen Facetten - und mit viel Wärme und Vertrautheit.
Endlich war es ein Gespräch und kein Informationsaustausch mehr.
Dazu gehört nämlich, sich selbst und den anderen wichtig nehmen. Und etwas von sich zu erzählen und vom andern zu hören. Im Wechsel. Kein Interview und keine 5 - Minuten-Nachrichten. Eher eine Talkshow. Mit Teilnehmern, die etwas zu sagen haben. Und nicht als Moderator, der durch das Gespräch führt, ohne etwas von sich preis zu geben.
Meine Freundin wurde heute zur Teilnehmerin. Endlich.
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