Donnerstag, 7. Januar 2010

Kein Rabattmarkenheft!

Heute habe ich den schönen Wintertag genossen. Ein langer Spaziergang, es hat geschneit, Püppi war dick eingepackt, ich auch - was für ein tolles Gefühl, die Kälte und die frische Luft.

Ich bin richtig weit gelaufen, nach ca. der Hälfte traf ich Karin, die ich als ganz liebe, nette Frau vor Jahren kennen gelernt habe. Das ist sie auch heute noch und wir gingen ein Stück des Weges gemeinsam.

Sie erzählte von ihrem Job, sie ist Projektleiterin in einem großen Unternehmen und dort läuft es seit ein paar Jahren relativ zäh. Das heisst, sie entwickelt sich zwar karrieretechnisch, aber sehr langsam. Dazu kommt, dass sie ein Team hat, das sehr zusammengewürfelt ist und entsprechend anstrengend zu führen ist.
Privat lebt sie schon lange in einer Beziehung, hat 1 Kind und ist weder besonders unglücklich noch glücklich. Ihr Privatleben plätschert dahin, sie könnte etwas ändern, muss es aber nicht.

Und wie gesagt, ich habe sie als sehr lieb und nett kennengelernt. Umso überraschter war ich, als sie mir erzählte, dass sie gestern im Büro richtig ausgerastet sei. Sie hätte sich mal so richtig Luft gemacht, der Anlass sei nichtig gewesen, egal, Sturm im Wasserglas.

Ich fragte sie, wie es denn sein kann, dass sie wegen einer Kleinigkeit so ausrastet - und sie meinte: " Ich war es leid, das Fass war einfach voll!"

Das Fass war voll, alles klar.
Karin hat Rabattmarken geklebt. Wir kennen Rabattmarken von früher aus Drogerien, man bekam Klebepunkte für ein Heftchen - wenn das Heftchen voll war, dann gab es eine Belohnung.

Genauso hat es Karin auch gemacht. Sie hat immer, wenn es Ärger gab, nichts gesagt, sondern stattdessen eine Rabatt- (oder auch Ärger-)marke geklebt. Sprich, den Ärger herunter geschluckt, aber nicht vergessen. Und so hat sie peux á peux den Ärger aufgestaut, solange, bis ihr Rabattmarkenheft, in ihren Worten ihr Fass, voll war. Dann ist sie explodiert. Dann hat es einen kleinen Auslöser gebraucht, und sie hat ihrem Ärger Luft gemacht. Hat es rausgelassen. Endlich mal. Ihre Belohnung. Die natürlich fragwürdig ist.

Denn es gibt 2 Stolpersteine: erstens hat sie keines der Probleme, für die sie vorher eine Rabattmarke geklebt hat, gelöst und zweitens ist der Ärger-Ausbruch überhaupt nicht dem Auslöser entsprechend, sprich, auch hier nicht zielführend.

Besser wäre es, wenn ihr etwas nicht passt, direkt etwas dazu zu sagen, denn dann kann sie es direkt und sachlich lösen und sammelt in sich keine Wut. Die vergiftet sie nämlich von innen, macht Karin unzufrieden, weil sie nicht wirklich für sich sorgt (und sich Dinge gefallen lässt) und lässt sie dann irgendwann völlig unproduktiv explodieren.

Karin verstand sofort, wovon ich sprach. Sie fühlte sich selbst nicht so wohl mit ihren Wutausbrüchen, hatte aber bisher keine Lösung für sich gefunden. Jetzt gibt es einen Ansatz:

Keine Rabattmarken mehr!

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