Nach dem aufregenden Wochenstart gestern war es heute viel ruhiger. Ein Jobtermin, eine Kaffee-Verabredung, ansonsten keine Termine - wunderbar. Da konnte ich meine Mutterrolle leben und ein wenig für mein ICH tun, super! Und Freundin war ich heute auch, und bei dem Gespräch fiel mir etwas auf, was mir zu denken gab. Erst habe ich eine Freundin getroffen, die stöhnte und klagte, alles war scheinbar schlecht, anstrengend und nicht mehr länger auszuhalten. Die andere Freundin, die später dazu kam, hatte eine ähnliche Endzeitstimmung, ob Kinder in der Schule, Situation zuhause, der Job - alles schien eine reine Katastrophe zu sein. Abgesehen davon, dass solche Aussagen auch immer das Gegenüber - in diesen Fällen mich!- runterziehen, sind sie auch für den, der solche Aussagen trifft, extrem destruktiv. Wenn alles schlecht ist und ich das so ausspreche, dann warte ich schon auf das nächste Desaster, nur um mir zu bestätigen, dass wirklich alles so schlecht ist. Und: wenn ich in so einer Stimmung bin, darüber rede, wie fürchterlich gerade alles ist, dann fühle ich mich auch schlecht - und die Wahrscheinlichkeit, dass mir dann weitere schreckliche Dinge passieren, ist logischerweise ziemlich hoch. Denn das Gute, das passiert, mache ich und das Schlechte, das passiert, mache ich auch. (Meistens jedenfalls, klar passieren Dinge auch einfach mal, aber oft habe ich sie dann mitverursacht bzw. nicht verhindert....) Pech zieht Pech an und Glück zieht Glück an.
Ich habe die beiden Mädels heute gefragt, wie schlimm das, was gerade passiert, wirklich ist. Ich habe ihnen gesagt, so wie sie es erzählen, würde es sich für mich tatsächlich ganz fürchterlich anhören, aber ich persönlich fände z.B. die Tatsache, dass soviele Stunden in der Schule ausfallen zwar nicht schön - aber fürchterlich sei für mich etwas anderes. Jede von beiden stockte, da unterbricht jemand mein Leiden - wie ich tue dir nicht leid? - und relativierte dann ihre Aussage. Klar, wenn man es so sieht, dann gibt es natürlich Schlimmeres, aber...und da habe ich dann stop gesagt. Wenn es etwas Schlimmeres gibt, dann sollte das spürbar und bewusst sein. Für sie als Sprechende und auch für ihre Gesprächspartner. Denn ersten zieht sie übertriebenes Klagen selbst runter, zweitens ihr Gegenüber und drittens nimmt sie, wenn wirklich mal etwas Schlimmes passiert, keiner ernst - es ist ja immer ganz schrecklich, woher soll ich dann wissen, wann es wirklich ganz schrecklich ist. Aber es zieht einen selbst eben auch runter, man begibt sich ein eine Negativ-Spirale.
Ich fühle, was ich sage oder denke. Und nicht umgekehrt.
Deshalb sollte das, was ich sage oder denke, der Situation angemessen sein.
Nur, wie weiss ich denn, was angemessen ist, es fühlt sich ja wirklich schlecht an? Das funktioniert ganz gut mit einem Stimmungsbarometer. Auf einer Skala von 0 - 10 teile ich alles, was mir passiert, ein. O ist überhaupt nicht aufregenswert, 10 ist die Katastrophe pur.
Als ich die beiden fragte, wo sie denn das, was sie mir eben erzählt haben, einordnen würden, kam erst bei der einen eine 6, bei der anderen eine 3 - und nach etwas nachdenken korrigierte sich die Erste von der 6 auf 3-4 , "ja stimmt, so schlimm war es nun auch wieder nicht". Wenn ich das mache und echt genervt bin über etwas, kann ich das durch das Stimmungsbarometer relativieren - wie schlimm ist es eigentlich wirklich? Meistens ist es nämlich gar nicht so schlimm - und dann bekommt es auch nicht soviel Raum. Damit schaffe ich Platz für andere - schönere - Dinge, weil ich mich gar nicht von der vermeintlichen Fürchterlichkeit eines Ereignisses einnehmen lasse.
Wir hatten dann übrigens auch noch richtig Spass ... auf der Positivskala von 0-10 waren wir bei einer guten 8 - klasse, oder?
Hallo!
AntwortenLöschenJa, ich stimme zu! Viele Dinge im Alltag sind nicht so schlimm, wie sie sich anfangs darstellen! Und das ganze so zu bewerten hilft bestimmt.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag...