Der Kaffee, den er wollte, war ihm zu groß, er wollte eine Größe kleiner (hatte er allerdings leider nicht so bestellt) und machte so lange rum, bis die Dame hinterm Tresen ihm nicht seinen in einen kleineren Becher umschüttete, sondern einen neuen machte. Das Ganze, obwohl mittlerweile 6 Leute hinter ihm standen, aber das störte ihn nicht. Dann kam erst die Unfallgeschichte.
Nach der Unfallgeschichte erzählte er mir von seiner Freundin mit der er seit knapp 1 Jahr zusammen ist und nun auch seit ein paar Monaten eine Wohnung teilt. Teilen ist wohl zuviel, denn er bestimmt scheinbar, wie was zu laufen hat: mit offenem Fenster direkt im Zimmer kann er nicht schlafen, wenn er Zug bekommt....sie hört wohl morgens gern Musik, aber das ist ihm zuviel, er hat es gern leise, also muss sie ihren iPod aufsetzen oder aber bis zum Auto warten. Okay..... er erzählte mir dann noch von der neuen Raumaufteilung im Büro und dass er solange protestiert hat, bis er dann doch den erwünschten Platz bekommen hat. Aber da hörte ich schon gar nicht mehr richtig zu. Ich hörte nur ICH ICH ICH und es machte mich wütend. Mann, sah der Typ außer sich selbst eigentlich noch irgendetwas anderes?
Wir tranken den Kaffee aus und danach trennten sich unsere Wege wieder, nicht ohne, dass er mich daran erinnerte, doch mal für ihn bei einer Freundin nach einem bestimmten Anwalt zu fragen...
Ich war echt genervt auf den Typ, musste mich erstmal schütteln ob dieser Egozentrik...aber irgendwann kam ich zur Ruhe und begann zu denken.
Wenn mich am anderen etwas stört, hat das immer mit mir zu tun.
Das habe ich mal gelernt und obwohl ich das erst nicht wahrhaben wollte (der Typ spinnt total, da habe ich gar nichts mit zu tun...) reflektierte ich natürlich doch, was daran denn mein Anteil war. Denn er kann ja ICH sagen und leben soviel will, warum rege ich mich so darüber auf?
Weil ich es mir selbst verbiete. Weil ich rücksichtsvoll, nachgiebig, nachgebend bin, weil ich meine eigenen Interessen nicht so vehement durchsetze wie er, weil ich schaue wie es den anderen dabei geht und meine eigene Interessen dafür zurücksetze, wenn ein anderer deshalb Nachteile erleiden könnte.
Und das macht mich wütend: Ich reiße mich zusammen und verzichte auf das Durchsetzen meiner Bedürfnisse und dieser Egoist stellt sich gnadenlos in den Vordergrund und nimmt sich, was er kriegen kann. Und das nahm ich ihm übel.
Ein Zeichen, dass ich scheinbar manchmal zu kurz komme durch meine Rücksicht oder mein Zurückstecken. Denn wenn das für mich vollkommen in Ordnung wäre, würde ich mich darüber nicht so aufregen. Und ich weiss auch, wann ich zu nachgiebig bin. Wenn ich selbst Unannehmlichkeiten habe, weil ich zu rücksichtsvoll bin. Ich übernehme zum Beispiel eine Aufgabe, obwohl ich gar keine Zeit habe, nur damit der Fragende entlastet wird. Das ist Rücksicht auf meine Kosten. Ich hetze und mache das dann, ärgere mich aber im Prinzip über mich selbst, dass ich das auf mich genommen habe anstatt es dem anderen zuzumuten.
Mein Bekannter tut das, der sorgt für sich und hat mir schön vor Augen geführt wie das gehen kann.
Ich werde mich dabei jetzt auch genauer beobachten und schauen, wann meine Rücksicht oder mein Mich-Zurückstellen ok ist oder wann es auf meine Kosten geht.
Von daher danke ich meinem lieben Egoisten-Bekannten für diese Lehrstunde, da wäre ich allein nicht so schnell drauf gekommen. Gracie mille, egoista!
Seit wann triffst du dich mit meinem Ex-Mann;-)
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